Veröffentlicht am Kategorien 2. Bundesliga, 2023, Allgemein, Spieltag

Sphera gerant alii, tu felix Dardai collecta!

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(opa) Fußball mögen andere spielen, Du glücklicher Dardai sammle (Punkte)! Frei nach dem den Habsburgern zugeschriebenen Motto (“Bella gerant alii, tu felix Austria nube.” – “Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate.” und da der Lateiner den Fußball noch nicht kannte, muss eben die Kugel herhalten) geht es heute gut gelaunt und beschwingt in die Woche. 3 wichtige Punkte konnten gestern eingefahren werden, das steht unumstößlich fest wie die Tatsache, dass ein Auswärtssieg gegen hochmütige Grubenlampenträger doppelt süß schmeckt. Auch wenn ich durchaus Sympathien für die Menschen aus dem Pott habe, überträgt sich das nicht zwingend auf diesen speziellen Verein, dem man niemals verzeihen sollte, dass deren Meineid seinerzeit zu Herthas Zwangsabstieg führte und gegen dessen Finanzgebahren Hertha regelrecht seriös daherkommt.

Drei befreiende Punkte, die uns aus dem Tabellenkeller genau in die MItte des Tableaus gebracht haben. 5 Punkte Abstand zu den Aufstiegsplätzen, 5 Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen. Man hat es ab sofort selbst in der Hand, das einzig öffentlich kommunizierte Saisonziel…

“Lasst uns Weihnachten hier sitzen und uns noch eine Chance nach oben haben”

Pal Dardai am 26.7.2023 – Quelle

…zu erreichen. Und man kann dieser Tage bei allen Fehlfarbenkollegen nachfragen, wie ihr Lieblingsverein so gespielt hat, besonders genießen kann man es bei denen, die den Förstern oder dem Effzeh anhängen und deren bisheriger Saisonverlauf sich auf Fliese reimt.

Wer weiteres Amüsement braucht: Neulich hat ernsthaft jemand Davie Selke als einzig logischen, weil einzig vorhandenem echten Stürmer für die Nationalelf vorgeschlagen. Ich habe sehr, sehr lange und sehr, sehr laut gelacht. Wie seinerzeit, als ich nach einem Hertha-Auswärtsspiel Jogi Löw am Bahnhof in Wolfsburg traf und ihn fragte, welchen Herthaspieler er denn für die Natonalmannschaft gescoutet habe und wir beide in laut schallendes Gelächter ausgebrochen sind. Humor ist eben immer auch ein Kompliment an die Intelligenz seines Gegenübers.

Das Spiel selbst war allerdings kaum geeignet, sich sonderlich zu amüsieren. Hertha spielte über weite Phasen des Spiels zwar mit viel Ballbesitz, aber genau so wie die HRS-Bandenwerbung im Hintergrund es propagierte: Die berühmte Dardaische “Hintenrumscheiße”. Dennoch gelang es immer wieder, gefährlich vors Tor zu kommen, auch weil die Offensivreihe doch regelmäßig Gegenspieler anlief, Bälle eroberte, blitzschnell umschaltete und deren Unvermögen ausnutzte. Von so etwas wie geordnetem Spielaufbau sind wir noch weit entfernt.

Unsere “Passmaschine” Bouchalakis verteilte meist nur quer und nach hinten, weil ihm schlicht die Anspielstationen fehlten, der (merkwürdigerweise im Vorfeld nicht kommunizierte) Ausfall von Dudziak war deutlich zu spüren, der mit Reese die linke Seite bislang auffällig wirksam machte. Aber es ist dennoch gut zu wissen, dass Reese und Prevljak aus der zweiten Reihe für riesigen Offensivwirbel sorgen, auch wenn der beinahe bemitleidenswerte Tabakovic deshalb mangels Zuspielen in der Luft hängt und seine Aufgabe daraus zu bestehen scheint, die Räume zu schaffen, durch die sich die anderen beiden durchwuseln können. Egal, wenn es Erfolg hat, ist das kein Anlass zur Kritik.

Die gastgebende Mannschaft steht völlig berechtigt da unten drin, das war erschreckend schwach in allen Belangen, auch wenn Hertha nach dem 2:0 um eine Drehung des Spiels regelrecht bettelte. Nach dem fast logischen Anschlusstreffer drohte das Spiel zu kippen, nicht einmal in Überzahl konnte man die Gastgeber in dieser Phase unter Kontrolle halten. Dennoch: Je dreckiger der Sieg desto größer die Freude (das wäre auch eine schöne Überschrift gewesen, aber das ändere ich jetzt nicht mehr, weil ich mit der Einleitung ja den Bildungsauftrag schon erfüllt habe).

Die Themen werden uns aber ohnehin nicht ausgehen, die Causa Gersbeck schwelt weiter, die Mitgliederversammlung steht inclusive diverser Abwahlanträge und Nachwahl des Präsidiums an, die Länderspielpause mit dem ersten Spiel des neuen und vermutlich unterbezahlten Nationaltrainers Nagelsmann, dazu der schreckliche Angriff auf Israel (wo ich im Januar noch den seinerzeit herrschenden Frieden genoss) und dazu ekelerregende Szenen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, die die völlig inakzeptable Barbarei ernsthaft feiern. Manchmal ist es sehr einfach, gut von böse zu unterscheiden. So wie bei Hertha und Schlacke 😉

HaHoHe, Euer Opa

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