(opa) Die Geschichte des Büßerhemdes ist exzellent dokumentiert. Die ersten Erwähnungen findet sich in Psalm 35, 13 und im Buch der Könige des Tanach bzw. alten Testaments. In dem letzteren wird das hebräische Wort שק (saq – im lateinischen saccus) erwähnt, woraus sich noch heute die Redewendung „in Sack und Asche gehen“ als Ausdruck besonderer Demut ableitet. Bei Hertha hat gar niemand derzeit Grund, in Sack und Asche zu gehen oder sich mit einem Cilicium zu quälen, einem grobem, aus Ziegenhaar gefertigten Unterhemd, welches nach seiner Herkunftsregion Kilikien in Anatolien benannt ist und welches zum Zwecke der Buße auf der bloßen Haut von zahlreichen prominenten Vertretern der Kirchengeschichte getragen wurde. Franz von Assisi, der heilige Patrick von Irland, Karl der Große oder Mutter Theresa sollen alle ein solches Kleidungsstück getragen haben.
„Im Büßerhemd durch die Pokalwoche?“ weiterlesenKategorie: Spieltagsnachlese
Canossa oder Kasalla?
(opa) Wie fängt man einen Opener nach einem solchen Saisonauftakt an? „Es kam anders als erwartet“? Zugegeben, einiges war eine durchaus positive Überraschung und die drei Punkte sind wichtig fürs Gemüt und die Moral, inwiefern das eine Tragfähigkeit für die noch lange Saison ist, wird man jedoch vermutlich erst in einigen Spieltagen bewerten können, es war jedenfalls zwar Wein im Glas, aber der war durchaus mit reichlich Wasser verdünnt. Doch eins nach dem anderen.
„Canossa oder Kasalla?“ weiterlesenVorwärts immer, rückwärts nimmer?
(opa) Nach der WM ist vor dem Saisonstart, denkt sich manch einer dieser Tage, doch erstens läuft die WM ja noch, nur eben ohne die Deutschen und zweitens stellt sich die Frage, was derzeit schlimmer ist, das Abschneiden und das Auftreten der Nationalelf oder das von Hertha. Doch der Reihe nach, denn die blamable Niederlage gegen Paraguay hat nicht wenige in einen Schock versetzt. Deutschland, einstmals DIE Fußballnation, wird von einem Land mit gerade mal 7,1 Mio. Einwohnern aus einem KO-Spiel gekegelt, welches viele im Vorfeld als reine Fingerübung betrachtet haben. Hochmut kommt vor dem Fall und der Fall ging in diesem Fall sehr tief.
„Vorwärts immer, rückwärts nimmer?“ weiterlesenSaisonnachlese 2025/26
(opa) Das war sie also, die Spielzeit 2025/26, die von der Vereinsführung selbstbewusst als Aufstiegssaison ausgerufen worden war. Zwar schloss man das erste mal seit Jahren besser als in der Vorsaison ab, das Saisonziel wurde aber klar verfehlt, die letzten Spiele zeigten eine Negativentwicklung und man ließ sich gegen Fastabsteiger Bielefeld am letzten Spieltag desaströs abschießen. Geschäftsführer Görlich wurde zuletzt zwar nicht müde, Kontinuität zu beschwören, es mehren sich jedoch die Stimmen, die angesichts der Entwicklung bzw. Nichtentwicklung Veränderungen fordern, denn Hertha wird es sich kaum leisten können, mit weiter sinkenden Einnahmen gezielt den Wiederaufstieg ins Visier zu nehmen. Man benötigt also eher ein sportliches Wunder, denn das bißchen Pulver, was man hatte, wurde bereits verschossen und was noch da ist, ist so feucht, dass es kaum zündfähig erscheint.
„Saisonnachlese 2025/26“ weiterlesenHome sweet home?
(opa) Hertha ist, wenn nach einem Heimspiel bei bestem Wetter und einem Heimsieg mit zwei sehenswerten Toren, eins davon vom 16jährigen Eigengewächs Kennet Eichhorn trotzdem Sodbrennen und Katerstimmung herrscht. Dabei war die Erwartungshaltung nach einer eher übersichtlichen Heimserie eher gering, dennoch gelang es Team und Trainer, unterhalb dieser zu bleiben und lächelnd Limbo drunter durch zu machen. Denn Fußball spielte im Wesentlichen nur die Gastmannschaft, die sich im Aufbäumen des Abstiegskampfs Chance um Chance erspielte und ein noch viel größeres Abschlussproblem hatte als Hertha. Niemand hätte sich beschwert, wenn die Gäste mit 3 Toren Vorsprung in die Pause gegangen wären.
„Home sweet home?“ weiterlesenJunimond
(opa) Die älteren unter uns erinnern sich an Rio Reiser, den Sänger von Ton, Steine, Scherben, nach dem man unlängst im bunten Teil Kreuzbergs einen Platz benannte und dessen Song Junimond, dessen Refrain mit „Doch jetzt tut’s nicht mehr weh“ beginnt, was ziemlich exakt die Emotionen vieler Herthaner beschreiben dürfte. Man ist zu diesem Zeitpunkt abgestumpft und in den Selbstschutz übergegangen, einige schauen sich die Spiele schon gar nicht mehr an und die, die es weiterhin tun, erdulden es wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, in nicht wenigen Fällen vermutlich unter Betäubung. Die Mannschaft und der Verein wirken blutleer und alle scheinen es nur noch hinter sich bringen zu wollen. So, wie wenn der Ex-Partner aus der gemeinsamen Wohnung auszieht.
„Junimond“ weiterlesenSchmerztherapie
(opa) An diesem Wochenende musste man sich der Frage zuwenden, was derzeit schmerzhafter ist, einem Spiel unseres Herzensvereins zuzuschauen oder der Mitgliederversammlung beizuwohnen. Nun ist Schmerzempfinden etwas sehr individuelles, während der Zartbesaitete bei einem Treffer im Gesicht wochenlang bandagiert krankgeschrieben ist, lacht der Eishockeyspieler vermutlich nur. Allerdings hilft es sich zu vergegenwärtigen, dass Hertha weder Eishockey spielt noch dafür da sein sollte, anderen Menschen Schmerzen zu bereiten. Doch der Reihe nach.
„Schmerztherapie“ weiterlesenCircus Sarrasani?
(opa) Gestern kam die erlösende Meldung, dass Hertha die Lizenz für die kommende Spielzeit erhält und auch nicht mit Punktabzug bestraft wird. Das ist eine gute Nachricht, während sie gleichzeitig Anlass zur Sorge ist, denn wenn die Erfüllung von vertraglich vereinbarten Pflichten der Gesellschafter
a) als Erfolgsmeldung verbreitet und
b) die Voraussetzung zum Erhalt einer Lizenz ohne Punktabzug ist,
sollte höchste Anspannung herrschen, weil das eindeutige Zeichen dafür sind, dass die Kacke sichtbar dampft. Es sollte nicht verwundern, wenn Hertha gegenüber dem Gesellschafter mit einem Insolvenzverfahren für den Fall drohen musste, falls man seitens A-Cap kein Geld nachschießt.
„Circus Sarrasani?“ weiterlesenWurzelbehandlung?
(opa) Nicht wenigen ging es zum Ende des gestrigen Spiels wie bei einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Man wollte eigentlich nur noch, dass es aufhört und als die üppige Nachspielzeit angezeigt wurde, ging ein Stöhnen durch die Reihen. Vermutlich hätte Hertha auch in zwei weiteren Halbzeiten kein Tor mehr geschossen, zu ideenlos agierte man gegen tief stehende Lauterer und die paar Chancen, die man sich erspielte vergab man kläglich, weshalb das Ergebnis auch grundsätzlich in Ordnung geht, auch wenn Hertha in der ersten Halbzeit phasenweise dominanter war und ab Mitte der zweiten Halbzeit das einzige Team, was noch etwas zum Spiel beitrug.
„Wurzelbehandlung?“ weiterlesenHeißes Herz, kühler Kopf?
(opa) Der Auswärtssieg in Dresden am Karsamstag war eine emotionale Achterbahnfahrt und vielleicht war es ganz sinnvoll zu warten, bis aus den tobenden und wilden Stieren in der Arena zahme Ochsen geworden sind. Doch zunächst zum Sport: Aus dem Spiel, in dem es körperlich robust zuging, hatte Hertha lange Zeit Mühe, ein positives Ergebnis zu erzielen. Schlimmer noch, in der 66. Minute flog Brekalo mit rot vom Platz und Hertha musste so gut eine halbe Stunde in Unterzahl agieren und wenn in der 77. Minute der Elfer nicht verschossen worden wäre, wäre die Stimmung rund um Hertha eher weniger österlich ausgefallen. Und selbst das Siegtor war letztlich kein Produkt eines Herthaners und erinnerte an den Siegtreffer vor vielen Jahren bei einem langweiligen Spiel im Oly gegen Hoffenheim, welches man ohne einen einzigen eigenen Torschuss gewann.
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