(opa) Mit dem Song zur Fußball WM 1994 in den USA, wo man laut Kaiser “auf Jahre unschlagbar” hinfuhr und als amtierender Fußballweltmeister im Viertelfinale kläglich gegen Außenseiter Bulgarien ausschied, werfe ich einen neuen Opener als Kondensationskern einer neuen Debatte in die Runde. Die Fußball WM in den USA, Kanada und Mexico wirft ihre Schatten voraus und Sonntag ist das vorletzte Testspiel vor dem Turnier, welches die Truppe um uns “Bundesjule” in Mainz gegen Finnland bestreitet. Auch wenn es keine kleinen mehr geben mag, dürfte die Gegnerauswahl dann doch eher der Abschlussmotivation dienen, um der aus Bayern-Altstars zusammengewürfelten Truppe wenigstens eine Art Erfolgssimulation vor dem Turnier zu geben.
Falls man dann bei der WM doch nicht so dolle abschneidet wie man sich selbst hält, kann man im kleinen Kommunikationseinmaleins bei Hertha nachlesen, wie man solche Misserfolge medial kommentieren kann. Der “leitlgeplagte” Herthaner kennt Aussagen wie “aber wir haben unter der Woche gut trainiert” und “die Vorbereitung haben wir optimal genutzt”, die dann am Ende in Fiaskos mündet. Nun soll man ja nicht schon vorm Turner unken, aber allein die Vorstellung einer Achse um Neuer, Kimmich, Goretzka und Sane lässt bei mir gedanklich den Ball ins gegnerische Toraus kullern, während beim Gedanken an eine Defensivformation um Rüdiger dessen Platzverweis nach Kopf-ab-Geste den Elfmeter für den Gegner erahnen lässt. Aber er hat doch versprochen dazuzulernen und wer hätte schon ahnen können, dass er das auch beim drölften mal nicht hinbekommt?
Die Nationalmannschaft, die endlich wieder so heißen darf, nähert sich vermutlich eher der Performance von Hertha an, als dass sie mit Erfolgen zu überraschen wissen wird. Und hinterher wird ein altersstarrsinniger Bayernpräsident den Grund darin suchen, dass man nicht genügend Spieler der Bayern mitgenommen und eingesetzt hat. Nur, dass sich Kane vermutlich nicht wird einbürgern lassen wollen und obendrein selbst dann nicht spielberechtigt wäre. Der Niedergang des Landes und des deutschen Fußballs liegt eben auch darin begründet, dass Patriarchen nicht loslassen und vor allem keinen Generationenübergang managen können. Und so endet der deutsche Fußball wie Karstadt, Neckermann oder Nixdorf, die man auch alle für “too big to fail” hielt und die am Ende dicht machten, weil man die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat.
Und so lässt sich die deutsche Nationalmannschaft seit Jahren beständig von Mannschaften düpieren, die man früher mal belächelt hat, sei es nun Ungarn, die Schweiz, Österreich oder die Türkei, die man allesamt in letzter Zeit nicht besiegen konnte. Wenn die Konsequenz daraus ist, dass man dann den Ex-Bayern-Trainer mit seinen Ex-Lieblingsspielern des Ex-Vereins antreten lässt, ahnt man, wie einfallslos man sich beim DFB an der längst erkalteten Asche der Vergangenheit krampfhaft festzuhalten versucht. Als Nachfolger holt man dann vermutlich Berti Vogts? Mit Libero war man schließlich erfolgreicher?
Ähnlich wahnsinnig erscheinende Vorgänge sind derzeit ja auch bei Hertha zu beobachten, wo “Dr. Einstecktuch” dem Standardtrainer eine Jobgarantie gab, obwohl die Standards dieses Jahr genauso schlecht waren wie in den Jahren zuvor. Das versteht die Sprechpuppe dieses Präsidiums also unter “größmöglicher Transformation” und “brutaler Lust” auf Leistung, der zunehmend wie der legendäre “Comical Ali” auftritt, Saddam Husseins Pressesprecher, der noch mit einmarschierenden amerikanischen Panzern im Hintergrund behauptete, dass die Amerikaner sich massenweise ergeben würden. Mal gucken, in welchem Erdloch der Gesundheitsmanager sich eines Tages versteckt.
Wobei es bei Hertha ja keine Eingreiftruppen wie Black-Ops oder Navy Seals gibt, die dann Jagd auf ihn machen würden, nicht einmal so etwas wie Aufklärung wird es geben angesichts der Tatsache, dass man erst 2026 damit beginnt, datenbasiertes Scouting zu betreiben. Eine Aussage, die einen fassungslos zurücklässt und mit jeder Wiederholung grausamer wird, andererseits auch so vieles erklärt. Nur warum diejenigen, die das zu verantworten haben, weitermachen dürfen, erklärt es nicht, aber das hat vermutlich etwas damit zu tun, dass sie einen Eid abgelegt haben dafür zu sorgen, dass die richtigen Personen weiterhin am Lagerfeuer in den ersten Reihen sitzen und sich wärmen dürfen.
So wie die Alt-Stars der Bayern in der Nationalelf, sofern diese nicht wie Loddar in Ungnade beim Wurstmacher gefallen sind. Beim Rekordmeister-Alterspräsidenten im Unruhestand kann man zunehmend Parallelen zum amtierenden US Präsidenten entdecken, der ja auch täglich für Überraschungen gut ist und damit die VUCA Welt repräsentiert wie kaum ein anderer. Dass Hoeness noch nicht Zölle für nichtbayerische Clubs, die Abriegelung von Handelsstraßen, auf denen Gegner anreisen oder den Austritt aus dem DFB gefordert hat, grenzt da fast an ein Wunder.
Wunder kann die Nationalelf auch brauchen, denn ohne das wird es ab den KO-Spielen knüppelschwer, etwas zählbares mit heimzubringen. Vielleicht überrascht sie uns aber alle, aber das wäre in etwa so überraschend wie der Gewinn der Meisterschaft durch Hertha in den nächsten 5 Jahren. Wobei der Fußball ja solche Geschichten schreibt, siehe Kaiserslautern, die als Aufsteiger Meister wurden (mit Libero vermutlich, da haben wir es wieder) oder siehe Dänemark, die mit Hot-Dog-Pølser als Vorbereitung Europameister wurden. Und unter Weltherrschaft, äh, Weltmeister macht es der Deutsche ja nicht, der seine Neurosen ja gern an Wildtieren auslebt, die sich zum Verenden an den Strand spülen lassen und dem man unbedingt Hilfe angedeihen ließ wie der Oma, der man über die Straße half, obwohl die gar nicht rüberwollte.
“Am deutschen Wesen mag die Welt genesen” dichtete 1861 Emanuel Geibel und trat damit ungewollt und ungemeint etwas los, was unser Land bis heute charakterisiert. Und während wir uns wundern, dass andere sich nicht auf unser Niveau herunterbegeben wollen, fremdeln wir mit der eigenen Nationalelf wie mit der eigenen Nation. Und während der “Koloß im Norden”, wie Geibel Dänemark seinerzeit nannte, aus einem verendenden Wildtier Biodiesel macht, treffen sich bei uns Menschen zu Trauermärschen und fordern ein Staatsbegräbnis für den Wal. Wir sind eine Nation im Untergang, die sich neu erfinden muss und die auch ein neues Mindset im Fußball benötigt, um auch zukünftig an alte Erfolge anzuknüpfen, damit Turniere dieser Tage nicht wie damals “far away in america” mit den Village People enden.
HaHoHe, Euer Opa