Veröffentlicht am Kategorien 2. Bundesliga, 2026, Allgemein, Länderspiel, Nationalmannschaft

The final Countdown?

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(opa) In wenigen Tagen geht sie los, die Fußball WM in den USA, Kanada und Mexico. Wenn man nur auf die Ergebnisse schaut, scheint die deutsche Nationalelf gewappnet auf das Turnier, wenngleich die Auftritte beide gegen Teams waren, die nicht zwingend dem oberen Regal zuzuordnen sind. Für die Vorrunde dürfte es reichen, aber ab dem Sechzehntelfinale könnte es zäh werden, vor allem, wenn man nicht Gruppensieger wird und daher den vermeintlich schwereren Gegner zugeteilt bekommt. Der Nationaltrainer hat sich entschieden, im Wesentlichen auf die Bayern-Altstars seiner Amtszeit an der Säbener Straße zurückzugreifen und diese punktuell zu ergänzen.

Dieses Vorgehen steht zu Recht in der Kritik und vermutlich weiß man beim DFB auch, dass man nun liefern wird müssen, aber das kaum können wird. Insofern dürfte die Teilnahme der Deutschen an der WM eher unter dem olympischen Motto stehen, dass dabei sein alles sei. Für eine, nein DIE Fußballnation ist das aber deutlich zu wenig, zumal das ganze Vorgehen ja nicht nur uninspiriert ist, sondern eben auch erneut den Generationenwechsel mindestens mal verzögert. Und es ist eben (abseits der ohnehin fraglichen Hintergründe) auch ein weiterer Grund, weshalb Doppelstaatlerkandidaten dem DFB absagen und sich für einen anderen Verband entscheiden, wenn es um ihre Premiere als A-Nationalspieler geht, nach der ein Wechsel des Verbandes nicht mehr möglich ist.

Der ehemalige Herthaner Maza war in jüngster Zeit so ein Beispiel, der lieber mit Algerien zur WM fährt, als als Nachrückerkandidat beim DFB darauf zu warten, dass ein Goretzka nur noch mit dem Rollator aufs Feld kommt. Fun fact am Rande: Maza hätte auch für Vietnam antreten können, denn er hat eine vietnamesische Mutter und einen algerischen Vater. Nur wäre er dann trotz Giga-Erweiterung durch den unbestechlichen Friedensengel Infantino nicht zur WM gefahren. Und selbst wenn Goretzka nicht den Vorzug erhalten würde, gegen den Bayern Pavlovic, den Ex-Bayern Stiller und den bei ManCity sozialisierten Nmecha wäre es für Maza im zentralen Mittelfeld schwer geworden, zumal da noch der vor allem bei Reklamationen gegen den Schiedsrichter allgegenwärtige Joshua Kimmich als Nebenposition unter diesem Trainer gesetzt wäre. Und da ist noch der Bayer Lennart Karl, der durch seine Freundin und das Auftragen ihrer Jogginganzüge berühmt geworden ist.

So gehen Deutschland eben Talente verloren und aus Sicht eines Herthaners ist es natürlich fast schon selbstmörderisch, im gesamten Nationalmannschaftskader keinen einzigen Spieler mit Herthabezug mitgenommen zu haben, denn auch Maxi Mittelstädt wurde nicht berücksichtigt. Von daher gibt es außer allgemeinem Fußballinteresse, Patriotismus oder Langeweile eigentlich kaum einen Grund, die WM Spiele der Deutschen zu verfolgen. Spaß beiseite, natürlich wird halb Deutschland mitfiebern, Snacks bereitstellen, die neuen Fernseher einweihen und in Gewinnspielen erworbene Trikots ausführen. Nur allzu enttäuscht sollte man nicht sein, wenn das Turnier frühzeitig beendet ist für die “Adler”.

Und danach? Es gibt wenig Anzeichen, dass man gewillt ist, sich neu aufzustellen, zu groß auch hier der Einfluss der üblichen Stakeholder, denen ihre Investments und ihr Ego wichtiger sind als die Entwicklung des deutschen Fußballwesens. Das ist weder gut für die Nationalelf noch für den Vereinsfußball und das Schnuppern am 5. Startplatz für die Champions League kaschiert nur die Probleme. Die Bundesliga steuert eher auf französische Verhältnisse zu, wo es nur noch darum geht, wer hinter PSG Zweiter wird. Und selbst dieses Niveau wird für die Deutschen zunehmend schwerer zu halten und wenn man nicht umsteuert, könnte man bald hinter Frankreich und Portugal zurückgefallen sein.

Ohne verzahntes Vorgehen von Vereinen und Verband wird es nicht gehen, den deutschen Fußball auch auf Nationalmannschaftsebene wieder auf Spitzenniveau zu heben. Und das geht auch nicht ohne Verzicht auf eigene Pfründe. So lange die Bayern sich mit ihren Verdiensten um den deutschen Fußball brüsten ohne zu verstehen, dass sie Teil des Problems sind, so lange wird diese Entwicklung weitergehen. Bisweilen hatte man ja zuletzt den Eindruck, dass der Bundestrainer in der Säbener Straße festgelegt wird, wenn man an den Ringtausch Flick zu Nagelsmann und deren vorherige Stationen denkt.

Bundestrainer von Bayerns Gnaden ist etwas, was dem Selbstverständnis des Rekordmeisters entsprechen dürfte, aber das ist natürlich tödlich für die Gesamtentwicklung, genau wie die Nominierung des Torhüters, die auch eher von den Bayern machtvoll durchgesetzt als sportlich gerechtfertigt wirkt. Zwar hatte Neuer ein paar starke Auftritte in der abgelaufenen Saison, aber nach dieser Logik hätte der Bundestrainer auch Reese für die WM nominieren und als Stammspieler berücksichtigen müssen. In jedem Fall verdichten sich einige Vorgänge wie auch der Umgang mit Undav den Eindruck, dass Sympathie und Bayernbonus wichtiger sind als sportliche Leistung. Tödlich im Leistungssport.

Dennoch wünsche ich dem deutschen Team und uns ein möglichst erfolgreiches Turnier, fröhliche Runden, in denen man die Spiele verfolgt und die Messer werden danach gewetzt, denn die nächsten Tage dürften für viele Spieler und Funktionäre der “final countdown” sein, danach wird man sich neu aufstellen müssen. Ich persönlich freue mich sehr auf die Opener von Sunny für die deutschen Spiele und wünsche Euch einen guten Start in die WM Eröffnungswoche.

HaHoHe und Olé, olé, olé, olé – Super Deutschland, olé, olé! Euer Opa

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