Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2020, Allgemein

Einordnung und ein Trauerfall

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(opa) Wie soll man das Spiel gestern einordnen? Fangen wir mit dem Positiven an oder erstmal die schlechten Nachrichten? Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich hab mich irgendwann während der zweiten Halbzeit einfach nur danach gesehnt, dass es vorbei ist. Zu quälend war das zähe Spiel, welches wohl nur Unterhaltungswert für fanatische Liebhaber von Rasenschach vorhielt. Oder urteile ich da zu streng? Ist das einfach mit tristem Ligaalltag im noch tristeren November zu erklären?

Aber ich hatte ja versprochen, auch etwas positives zu schreiben. Fangen wir bei der Defensive an, die die Null hinten hielt, auch, weil ballführende Spieler früh angelaufen wurden. Klar kamen die Leverkusener ab und an gefährlich vors Tor, aber das Ergebnis passte. Doch war Hertha defensiv nun so gut oder Leverkusen an diesem Tag so schlecht? Oder sogar beides?

Hinsichtlich der Offensive fielen positiv erneut Guendouzi mit öffnenden Pässen und guter Übersicht sowie Lukebakio und Cunha auf, Herr Freitag wirkt immer mehr wie ein Fremdkörper oder ein längst abgehängter Schüler, dessen NIchtversetzung in die nächste Klasse längst feststeht. Ein Bekannter sagte vor ein paar Tagen, dass der polnische Nationalspieler ein begnadeter Abschlussspieler sei, der aus jedem Winkel das Tor trifft, aber sonst “kann der nix”.

Insofern bleibt die Frage, ob der Trainer sich und der Mannschaft einen Gefallen tut, den Spieler auf dem Platz zu lassen, obwohl die Flankengeber fehlen. Nur welche Alternative hat Labbadia? Einen Wandspieler wie Cordoba, der auch mal schnell sprinten kann, haben wir keinen zweiten, Ibisevic genießt seinen vorzeitigen Ruhestand und was bisher von Ngankam zu sehen war, war kaum besser als das, was von Herrn Freitag zu sehen war. Cunha nach vorn zu ziehen würde die Statik um den erweiterten Mittelkreis massiv schwächen und ansonsten gibt’s im Kader nur noch Redan, der aber ebenfalls nicht als wuchtiger Wandstürmer aufgefallen ist und für den das Bundesligatempo und die hier herrschende Robustheit ein bisschen zu hoch bzw. zu ausgeprägt zu sein scheint.

Und so bleibt neben der Freude über einen unerwarteten Auswärtspunkt bei mir eher das “wenigstens nicht verloren”-Fazit. Hertha ordnet sich im unteren Ligamittelfeld ein und kann mit ein bisschen Steigerung den Sprung nach oben schaffen, der dem eingesetzten Kapital entspricht. Dafür muss aber der Charaktertest am kommenden Wochenende bestanden werden, wenn es gegen hochmotivierte und in Siegerlaune über den Dingen zu schweben scheinende Köpenicker geht. Das könnte auch zum Schicksalsspiel von Trainer und Manager werden, wenn man zu Weihnachten “wieder nur Zehnter” würde.

Bleibt noch die Wahl zur Top 5 des Gruselkicks:

Meine TOP 5 des Spiels B04BSC waren

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Bevor ich den Opener für heute schließe, möchte ich an dieser Stelle dem am Sonntag nach langer Krankheit verstorbenen Präsidiumsmitglied Michael Ottow gedenken und seinen Angehörigen die Kraft wünschen, die Trauerphase zu durchstehen. Ein oft still wirkender, bescheiden auftretender, aber umso größerer Herthaner ist viel zu früh von uns gegangen und der Himmel ist nun ein Stück blauweißer geworden. Da ich die Streicherversion von Nur nach Hause nirgends finden konnte, verlinke ich eine andere auch eher getragene Version unserer Hymne im Gedenken an Michael hier und würde mich freuen, wenn ihr Eure virtuelle Kerze dazu stellt.

HaHoHe, Euer Opa

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