(opa) “Grüß Gott und Servus, auch an die Zuschauer in Österreich und in der Schweiz” hieß es über Jahrzehnte deutscher Fernsehübertragung, wenn Eurovisionssendungen liefen, manchmal nahm man sich auch Zeit, die anderen deutschsprachigen Eurovisionsländer wie Belgien (vereinnahmte nach dem ersten Weltkrieg Eupen-Malmedy mitsamt deutscher Bevölkerungsmehrheit), Südtirol (durch Italien nach dem ersten Weltkrieg annektiert), Luxemburg (war Teil des heiligen römischen Reiches und des Deutschen Bundes, was die Franzosen auf die Palme brachte) und Liechtenstein (verlor zwar den letzten Krieg, kam aber mit mehr Männern wieder als man hingefahren war, weil man den Kriegsgegner von den Arbeitsmöglichkeiten überzeugte) zu grüßen.
Lang, lang ist’s her, genau wie wenn Hans-Joachim Kulenkampff die Damen in seiner Sendung anschmachtete, was heute zu Debatten über sexuelle Übergriffigkeit führen würde. Gefühlt fast ähnlich lang her ist Deutschlands letzte Teilnahme an einem Viertelfinale einer WM, dabei war man 2014 sogar überragend Weltmeister geworden und stand davor seit 1982 ununterbrochen mindestens im Viertelfinale, was früher schon als große Enttäuschung und Misserfolg eingeschätzt wurde. Von daher sollte die Frage, ob es ein Viertelfinale einer WM ohne deutsche Beteiligung überhaupt geben sollte, leicht zu beantworten sein.
Nun ist von den deutschsprachigen Eurovisionsländern nur noch die Schweiz übrig, dazu kommen außerhalb dieses Raumes noch rund 3 Mio. Deutschargentinier, eine Handvoll deutschsprachiger aus Elsass-Lothringen und ein paar Exilanten in Spanien, die mit “ihren” Nationalteams noch bei der WM dabei sind. Ernst-Moritz Arndt, nach dem über lange Zeit die Universität in Greifswald benannt war, schrieb in seinem anlässlich der Völkerschlacht von Leipzig verfassten Lied “Was ist des Deutschen Vaterland” über die deutsche Frage und beantwortete dies in der 6. Strophe des Liedes pragmatischerweise so, dass Deutschland überall dort sei, wo Deutsch gesprochen wird:
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
und Gott im Himmel Lieder singt:
das soll es sein, das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein!
Das war allerdings vor Deutschlands Kolonialausflügen und es ist fraglich, ob z.B. das in der ehemaligen Kolonie Papua-Neuguinea gesprochene Unserdeutsch, die einzige auf Deutsch basierende Creolsprache der Welt, gemeint war. Gleiches gilt übrigens für jiddisch, was die einzige germanische Sprache mit hebräischen Schriftzeichen ist und bis heute auch im heiligen Land reichlich gesprochen wird und der deutschen Sprache Wörter wie Chuzpe, Ganove, Schlamassel oder Meschugge beigesteuert hat. Da Arndt nicht nur die Franzosen, sondern auch die Juden hasste, meinte er die höchstwahrscheinlich nicht.
Arndt war ein großer Freiheitskämpfer, war Abgeordneter der Paulskirche und gilt vor allem wegen seines Antisemitismus heute oft nicht mehr als akzeptabel, weshalb sich die Uni Greifswald 2018 auch umbenannt hat. Ein Schicksal, welches wohl den vielen Martin Luther Schulen und Straßen blühen würde, wenn man einen ähnlichen Maßstab anlegen würde. Von Karl Marx und Friedrich Engels mal ganz abgesehen. Doch ich schweife ab, denn eigentlich sollte es doch um Fußball gehen, an dem zumindest die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr teilnimmt. Und ums Viertelfinale, ein Ergebnis, was ja sogar Hertha in der letzten Pokalsaison erreichte und nur ähnlich knapp gegen Freiburg scheiterte wie de Deutschen gegen Paraguay.
Was also bleibt dem Deutschen beim Betrachten der restlichen KO Spiele? Wem drückt er die Daumen? Den Argentiniern, die bisher den leichtesten Turnierbaum hatten? Den Schweizern als unseren deutschsprachigen Nachbarn? Den rudernden Norwegern mit ihrem Ausnahme-Hei-, äh Haland? Den Engländern mit dem kauzigen deutschen Trainer, der aussieht wie nach einer Hungersnot? Den Belgiern mit dem deutschen König? Den Spaniern, deren Königshaus im Erbfolgekrieg gegen Österreich 13 Jahre Krieg geführt hat? Marokko mit seiner Hauptstadt, mit deren Namen man nach einem Preisnachlass fragen kann? Oder unserem westlichen Nachbarn Frankreich, dem Land, was wie kein anderes Kulinarik als Kultur erhoben hat? Wem gehören Eure Sympathien?
Und bei Hertha so? Da läuft der Trainingsbetrieb, zumindest mit der Resttruppe und etwas “Landsturm ohne Waffe”. An der Transferfront herrscht eisige Ruhe, als würde der berühmte Transferbalken klemmen. Selbst wenn der Transfer von Torhüter Ernst demnächst über die Bühne geht, dürfte kaum zu erwarten sein, dass es schnelle Verpflichtungen gibt. Hertha will den Kader verjüngen (das kann man aus dem eigenen Nachwuchs) und mit Leihspielern auffüllen (das wird erst am Ende der Transferperiode gehen). Insofern tut man gut daran, die Erwartungen für den Saisonstart noch ein Stück niedriger zu halten als sie ohnehin bereits sein dürften.
Von Teilnahmen an Wettbewerben gegen Mannschaften aus dem Eurovisionsraum muss man derzeit ohnehin kaum denken, eventuell gelingt ja im Pokal eine Überraschung gegen den 1. FC Saarbrücken. Zum Saarland fallen mir dann doch noch etwas ein, was aus der Gehirnabteilung “unnützes Wissen” raus muss. Weinrechtlich kommt Saarwein nämlich nicht aus dem Saarland, sondern von der Mosel. Und der einzige Wein, der im Saarland selbst angebaut wird, ist weinrechtlich ein Moselwein. Solle noch einer sagen, Fußball wäre komliziert. In jedem Fall empfehle ich aus dieser Weingegend reichlich vorhandene gute, liebliche Rieslinge, die mit der Balance zwischen Süße und der Säure des Rieslings spielen und der zu jeder der kommenden Partien passt, sofern man sich kein Steak in die Pfanne haut oder ein Lamm an den Spieß brät, weil dazu geht nur Roter und die Zahl der guten deutschen Rotweine ist trotz Klimawandels (wo ist der eigentlich dieses Jahr?) überaus überschaubar.
Prost und HaHoHe, Euer Opa