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Vorwärts immer, rückwärts nimmer?

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(opa) Nach der WM ist vor dem Saisonstart, denkt sich manch einer dieser Tage, doch erstens läuft die WM ja noch, nur eben ohne die Deutschen und zweitens stellt sich die Frage, was derzeit schlimmer ist, das Abschneiden und das Auftreten der Nationalelf oder das von Hertha. Doch der Reihe nach, denn die blamable Niederlage gegen Paraguay hat nicht wenige in einen Schock versetzt. Deutschland, einstmals DIE Fußballnation, wird von einem Land mit gerade mal 7,1 Mio. Einwohnern aus einem KO-Spiel gekegelt, welches viele im Vorfeld als reine Fingerübung betrachtet haben. Hochmut kommt vor dem Fall und der Fall ging in diesem Fall sehr tief.

Wie üblich dieser Tage führt dies jedoch nicht wie früher dazu, dass die dafür Verantwortlichen von sich aus den Hut in den Ring werfen, sondern es wird mit den üblichen Floskeln Pattex am Stuhl des Postens angerührt, auf dem man es sich gemütlich gemacht hat. Allein die Aussagen des Bundestrainers im Interview nach dem Spiel sind für sich genommen schon ein Grund für einen Rauswurf. Von den vielen merkwürdigen Entscheidungen im Vorfeld und währenddessen mal ganz abgesehen. Doch der Rauswurf des Trainers ist nicht das einzige, was nötig ist, das Problem sitzt viel tiefer und es bräuchte ein strukturelles Aufräumen im Verband und in der Liga.

Ein alles dominierender Verein, dessen Stars mittlerweile gealtert sind und nur noch durch externe Zukäufe in Champions League Sphären spielen, kaschiert diese Defizite. Mit Neuer, Kimmich, Tah, Pavlovic, Musiala, Goretzka und dem ehemaligen Sane gewinnt man keine Duelle auf internationalem Top-Niveau mehr, wenn man nicht drumherum Spieler auf dem Niveau von Kane oder Olise garniert, um die Defizite der selbstzufriedenen Altherren von der Säbener Straße zu kaschieren. Und wer soll das in der Liga denn auch leisten? Dazu kommt, dass dieses Reinfuhrwerken und Lobbyieren der Bayern bei der Nationalelf vielversprechende Talente verschreckt, die sich dann mangels Perspektiven beim DFB für eine A-Elf Karriere bei anderen Nationen entscheiden. Maza wäre so ein Kandidat, für den es beim DFB derzeit keinen Platz gäbe.

Die Dominanz der Bayern mag den Deutschen viele internationale Startplätze garantieren, gleichzeitig schwächt dies die Nationalelf. Doch das allein ist es genauso wenig wie die Personalie des Bundestrainers. Wenn in Jugendmannschaften keine Tore gezählt werden dürfen, wenn Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Elitenauswahl als Makel betrachtet wird und jeder noch so unbegabte “inklusiv” eingebunden werden muss, KANN kein Leistungsgedanke entstehen, der Kinder und Jugendliche dazu bringt, sich die Hammelbeine auszureißen, um sportliche Höchstleistungen zu vollbringen. Vom Totschweigen des Problems mit zugewanderten “Jugendlicher”, die sehr viel reifer wirken und in ihren Altersklassen alles dominieren, mal ganz abgesehen. All das zusammen ergibt einen toxischen Cocktail, der dann dazu führt, dass man auf absehbare Zeit es schon als Erfolg bewerten muss, wenn sich Deutschland überhaupt für die WM qualifiziert.

Man muss kein Prophet sein, dass viele dieser Probleme nicht kurzfristig lösbar sind. Einige ja, z.B. ein nach Leistung und nicht nach Seilschaften zusammengestellter Kader hätte vielleicht schon ein klein wenig gebracht, etwas mehr taktische Flexibilität, es mit anderen Mitteln gegen Mannschaften zu versuchen, die sich hinten diszipliniert reinstellen, statt diese totpressen zu wollen. Dafür hätte es aber eines Bundestrainers von Format gebraucht, der sich gegen Anrufe eines Herrn mit hochrotem Kopf immun gegenüber zeigt und nicht sklavisch dessen Siegelring küsst.

Im DFB wartet viel Arbeit für viele Jahre und niemand ist darum zu beneiden. Wobei das Amt des Bundestrainers wohl ganz gut dotiert ist, rund 7 Mio. € gibt’s dafür, dazu diverse Werbeverträge, man wird schon irgendwie über die Runden kommen, wenn man auch mal das Brot unter dem Kaviar weglässt. Daran kann es also kaum scheitern. Gegen die derzeit kursierenden Namen wie Klopp habe ich persönlich übrigens allergrößte Vorbehalte. Ich habe in den letzten Monaten den Superexperten, Global Head of Brauseabfüllung und Stefan Raabs Veneers überstrahlenden Jürgen Klopp zweimal auf Veranstaltungen getroffen. Der Mann ist durch, ich glaube kaum, dass der dieser Aufgabe derzeit gewachsen ist und ich glaube auch kaum, dass es gut für ihn wäre. Die Zeit in Liverpool war vielleicht zu zehrend.

Und es ist bequemer, als salbadernder Experte seine künstlichen Zähne und die künstlichen Haare in die Kamera zu halten und gleichzeitig mehr Authentizität und Echtheit zu fordern. Lustiger wird es wohl nicht mehr. Überhaupt täte man sich einen Gefallen, die Fehler genau zu analysieren, sich Lösungswege zu überlegen und anschließend über Personalien zu sprechen. Zumal in absehbarer Zeit eh keine Spiele der Nationalelf anstehen.

Dafür stehen bei Hertha die Profis schon seit Anfang der Woche auf dem Platz, also zumindest die, die halt da sind. 11 Abgänge hat das Team schon und abgesehen von ein paar Leihrückkehrern keine Neuzugänge. Aus brutaler Lust auf Erfolg wurde brutales Sparen. Wohl auch an der Kommunikation, das neulich veröffentlichte Statement hätte man sich allerdings auch besser sparen sollen, wo man irgendwas davon faselte, man verstehe die Sorgen der Fans, habe derzeit aber nichts mitzuteilen. Dann sollte man auch besser nichts sagen. “Si tacuisses, philosophus mansisses” wusste schon der Lateiner, wobei unklar ist, ob der promovierte Geschäftsführer mit seiner Einstecktuchkollektion Altsprachler ist. Es gibt Zweifel.

Viel zu sagen hat vermutlich auch das Trainerteam nicht, zumal man nicht weiß, mit welchem Team man eigentlich spielen wird. Eine zu den Spielern passende Spielidee wird man so kaum entwickeln können, was natürlich eine perfekte Grundlage für Ausreden ist, wenn der Saisonstart in die Hose geht. Dann kommen die üblichen Durchhalteparolen, man könne die Saison erst nach dem 10. Spieltag bewerten, das schwierige Umfeld, der heiße Sommer, die nicht fahrenden Bahnen… Erfahrene Herthaner kennen das.

Immerhin hat man ein neues Trikot vorgestellt und geht da ganz nach Adenauerscher Devise “keine Experimente” vor. Und immerhin sind wir jetzt alle Ossi, zumindest, wenn es nach der Werbekampagne des neuen Brustsponsors geht. Wobei der wenigstens mal wieder seriöserer Natur zu sein scheint nach Billig-Ramschläden, Wettanbietern und Gebrauchtwagenhändlern eine Bank, das klingt auf den ersten Blick solide, auch wenn mein Gedächtnis auf ein Brecht Zitat verweisen will, wonach nur Stümper eine Bank ausrauben würden, wahre Ganoven würden eine Bank gründen. Aber Brecht war ja Kommunist und damit quasi auch ein Verfechter eines Bonzentums, welches ja auch im Fußball vorhanden ist. Wir oben im Politbüro machen uns Gedanken, ihr vom Fußvolk müsst nichts weiter tun, als uns zu vertrauen, dass wir Eure Interessen schon bestmöglichst vertreten. Gerade Berliner wissen, wie das endet. Zumindest die, die nicht vergessen haben, dass die Partei, die sich heute für Flüchtlinge einsetzt, auf dem ehemaligen Todesstreifen, wo sie früher auf Menschen schießen ließ, im letzten Wahlkampf Plakate aufhängen ließ, dass Flucht ein Menschenrecht sei. Kommunisten hatten schon immer einen sehr ausgeprägten Sinn für Widersprüchlichkeit.

Wie komme ich jetzt zurück zu Hertha? Irgendwie gar nicht, es gibt ja auch kaum Neuigkeiten, der neue Mannschaftsarzt wird kaum Blinde zum Sehen und Lahme zum Gehen bewegen können, daher kann man das auch schwer bewerten. Nur, dass der Standardtrainer wegfällt, wird man sicher nicht negativ bemerken. Außer eventuell in den U-Mannschaften, wo er nun Co-Trainer sein darf. Der scheint aber die richtigen Leute zu kennen und ist sicher das Riesentalent, als welches er von Dr. Einstecktuch geadelt wurde.

Also genießen wir ein wenig die Sommerpause, auch wenn der Sommer ähnlich Zickzack fährt wie die Profis, wenn sie um die Hütchen springen. Mal ist es zu warm, mal ist es zu kalt, mal zu trocken, dann zu nass. Wenn Dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus. Oder trink Tequila. Und wenn Du kein Salz hast, weine ein wenig und schmecke das Salz Deiner Tränen. Davon dürften Herthaner genug haben. Fehlen nur noch die Zitronen. Und der Tequila.

Adios und HaHoHe, Euer Opa

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