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Canossa oder Kasalla?

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(opa) Wie fängt man einen Opener nach einem solchen Saisonauftakt an? “Es kam anders als erwartet”? Zugegeben, einiges war eine durchaus positive Überraschung und die drei Punkte sind wichtig fürs Gemüt und die Moral, inwiefern das eine Tragfähigkeit für die noch lange Saison ist, wird man jedoch vermutlich erst in einigen Spieltagen bewerten können, es war jedenfalls zwar Wein im Glas, aber der war durchaus mit reichlich Wasser verdünnt. Doch eins nach dem anderen.

Fangen wir mit der Aufstellung an: Wenig überraschend stand Gersbeck im Tor, die erste Überraschung war Kolbe statt Dardai in der Innenverteidigung. Offizielle Begründung waren wohl kleinere Probleme bei Dardai. Neben ihm wenig überraschend Gechter und auf den Außenpositionen rechts Eitschberger und links Zeefuik. Im ZM vor der Viererkette Sessa und Seguin, davor zentral das Eigengewächs Gouram, links Kapitän Brekalo, rechts Winkler und zentral etwas überraschend Grönning. Dafür, dass das so vermutlich nicht gewollt war, erledigte diese Mannschaft die Aufgabe über 60 Minuten sehr, sehr ordentlich, das Fehlen individuell starker Stars wurde durch kollektiven Mannschaftsgeist ausgeglichen. Das war bombenstark und Gouram machte den Abgang von Cuisance völlig vergessen, vor allem, weil er eine feine Vorlage zum 1:0 durch Grönning lieferte. Auch defensiv ließ man nichts anbrennen, Eitschberger mit ähnlich viel Einsatz wie Zeefuik blockte viele Flanken, während Kolbe als Turm in der Abwehr keine Sehnsucht nach Dardai aufkommen ließ.

Hätte Hertha so weitergespielt, wäre ich heute wohl im Büßergewand und barfuß nach Canossa zu Kreuze gekrochen wie weiland König Heinrich der IV. zu Papst Gregor VII. in Canossa. Doch das Spiel kippte nach rund 60 Minuten. Einerseits, weil die Kondition nach einer intensiven Vorbereitung vermutlich nicht für sehr viel länger reichte. Andererseits, weil Trainer Leitl Auswechslungen vornahm, die außer ihm wohl niemand verstehen wird. Mit Gouram nahm er den kreativen Kopf im Mittelfeld vom Platz und ersetzte ihn durch Thorsteinsson, der jedoch in dieser Rolle nicht ins Spiel kam. Und Torschütze Grönning musste für Schuler Platz machen, der mangels Anspiele jedoch kaum bewertbar war.

Die Folge dieses Trainereingriffs war, dass Bochum ins Spiel kam und deren wie Rumpelstielzchen an der Seitenlinie tobende Trainer Rösler seine Mannschaft antrieb, die eher übers eigene Unvermögen als an Herthas Defensive scheiterten. Statt offensiv für Entlastung zu sorgen, nahm Trainer Leitl dann noch fünf Minuten vor Schluss Seguin vom Platz, für den Klemens ins Spiel kam (ebenfalls nicht bewertbar) und eine Minute später riss Leitl dann ohne Not die Viererkette auseinander, indem er Dardai für Eitschberger brachte, ein Move, den niemand um mich herum verstand. Adewumi durfte Brekalo ersetzen, konnte aber mangels relevanter Ballkontakte ebenfalls kaum Impulse ins Spiel bringen. Hertha verwaltete die Führung zum Zittersieg und niemand hätte sich beschweren können, wenn die Bochumer den Ausgleich noch geschafft hätten.

Hertha wollte laut Geschäftsführer Dr. Görlich “hoch pressen” und über weite Teile der ersten Halbzeit war zumindest ein Hauch davon zu spüren, wenn die Bochumer sich vorm Torhüter den Ball hin- und herspielten, konnten sie das nie ohne Gegnerdruck. Das war schon mal besser als zu befürchten war, von hohem Pressing der gesamten Mannschaft aber noch durchaus erkennbar weit entfernt. Insofern konnte das Büßerhemd im Schrank bleiben, denn noch kann niemand sagen, ob dieses Team unter diesem Trainer es schaffen wird, das Saisonziel “einstelliger Tabellenplatz” (ich lasse mal das maximalst-bodenloseste-brutalste etc. weg) so zu erreichen. Es könnte mit viel Glück reichen, es spricht aber einiges dafür, dass es ohne Nachjustierung kaum reichen wird.

Insbesondere die Frage nach der Hackordnung dürfte das Team und uns noch einige Zeit beschäftigen. Wenn Kolbe seinen Job so gut macht wie am Freitag, würde es das Leistungsprinzip bedingen, dass er sich festspielt. Ersetzt man ihn nun durch den nominal stärkeren Dardai, könnte das Signal ins Team fatal sein, dass sich Leistung eben nicht auszahlt. Auch stellt sich die Frage, weshalb Trainer Leitl trotz Vorgabe, den Nachwuchs einzubauen, weiterhin Lum ignoriert und durch seine Lieblingsspieler Sessa und Seguin einen Platz auf dem Platz blockiert, obwohl beide alles andere als überzeugend wirken. Auch stellt sich die Frage, weshalb man einen Leihspieler holt, wenn der dann nicht sofort helfen kann, indem man ihn erst kurz vor Schluss reinbringt, wo man längst den Bus geparkt hat.

Auch wenn es am Ende für drei Punkte gereicht hat, war dieser Auftritt, so erfreulich er war, dann kein Grund für hämisches “Siehste”-Fingergezeige. Die Mannschaft ist nicht fit, die Aufstellung scheint zufällig gewürfelt und durch Einwechslungen werden Schwachstellen hinzugefügt. Wer sich wundert, weshalb die Kritik trotz eines Sieges nicht abreißt, sollte sich vergegenwärtigen, dass dieser Übungsleiter offensichtlich kaum dazuzulernen scheint und Ergebnisse eher zufälliger Natur sind. Das ist für den immer noch durchaus beachtlichen finanziellen Aufwand insgesamt zu wenig. Mag sein, dass man sich so die Abfindung spart, man schafft so aber sicher nicht die dringend benötigten Spielerwerte.

Von daher heißt es eher Kasalla statt Canossa, es muss weiter gearbeitet werden und sich weiter reingehangen werden, als würde Thorsten Legat mit erhobenen Fäusten hinter einem stehen. Und es müssen Prioritäten hinterfragt werden. Wozu Hertha auf der offensichtlichen Suche nach einem weiteren Torhüter ist, obwohl Gersbeck das ordentlich gemacht und den Eindruck erweckt hat, dass das reichen sollte, erschließt sich vielen nicht, vor allem, wo es doch so offensichtliche Baustellen gibt wie die Außenbahnen, auf denen wir zu dünn und zu langsam besetzt sind, um Pressing mit hohem Ballbesitz zu spielen.

Es bleibt also viel zu tun und schon das nächste Spiel scheint schwieriger zu werden, wenn Absteiger Heidenheim zu Gast im Oly ist. Der Gesprächsstoff geht uns also keineswegs aus. Man kann aus dem, was da ist, etwas machen, man sollte aber keine Sabotageakte des Trainers weiter zulassen. Mit Gouram reift das nächste Juwel heran, wenn man Pech hat, ist der vielleicht schon vor Ende des Transferfensters weg, obwohl er eigentlich schon nach seinem ersten Spiel zumindest für diese Saison als unverkäuflich gelten müsste. Und es gibt jetzt schon keinen adäquaten Ersatz, was zeigt, wie fragil das alles ist, was man bei Hertha als “Transformation” zu verkaufen versucht.

Hoffen wir weiter das Beste!

HaHoHe, Euer Drei-Punkte-Opa

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