Veröffentlicht am Kategorien 2022, Allgemein, Spieltag

Hochmut im Fall

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(opa) Da freute sich am Samstag ein fast ausverkauftes Stadion auf die Verwandlung des Matchballs, naja, eher eines Matchbällchens. Ein einziger Punkt hätte schon gereicht, doch selbst den konnte man daheim nicht realisieren und war somit auf die Schützenhilfe des Rekordmeisters angewiesen, bei dem der Mitbewerber um den letzten Nichtabstiegsplatz antreten musste. Eine Situation wie gemalt für die Hertha, um daran zu scheitern. Kaum ein anderer Verein exerziert so theatralisch wie Hertha seinen eigenen Fall und nicht wenige fragen sich, woran genau das liegen könnte.

Einen Teil der Antwort gab der momentan als vermeintliche “Leader” auftretende Kevin-Prince Boateng, der im Interview nach dem Spiel folgendes wissen ließ:

“Wir waren nicht im Spiel heute von der ersten Minute bis zum Ende. Wir waren nicht frisch im Kopf, es hat viel gefehlt. Wir haben in vier Spielen alles gegeben, alle Türen offen gelassen. Wir haben immer noch die Riesenchance. Wir müssen probieren, es positiv zu sehen”

Kevin-Prince Boateng nach dem Spiel gegen Mainz

Weil man schon alles gegeben hat, war man nicht mehr frisch im Kopf, obwohl man noch akut abrutschgefährdet ist? Dieses Mindset entlarvt einen Teil der Probleme, an denen es liegen könnte und weshalb es besser wäre, nicht in die Relegation zu müssen, schon gar nicht gegen ein Team, was ebenfalls in den letzten Spielen alles gegeben und einen Sieben-Punkte-Rückstand aufgeholt hat. Mit dieser Einstellung gewinnt man keinen Blumentopf und wer eine solche Einstellung hat, ist kein Leader, sondern ein arroganter Fatzke.

Auch die Tatsache, nach dem 374 Mio. € Invest von einer “Riesenchance” zu sprechen und gleichzeitig das minimalste aller Ziele zu meinen, ist Beleg dafür, dass der selbsternannte Leader nicht verstanden haben dürfte, was die Stunde geschlagen hat. Ebenfalls rätselhaft wie offen bleibt, was genau man denn positiv sehen soll nach dieser Saison, die überaus desaströs verlaufen ist und immer noch droht, im Fiasko zu enden.

Vorm Spiel wurde Burgfrieden mit den Fans geschlossen und beinahe könnte man nach dem Statements beider Seiten glauben, jeder sei überzeugt davon, nichts falsch gemacht zu haben. Davie Selke, sonst kaum einer Theatralik aus dem Weg gehend und über die Saison eher durch Mätzchen statt durch Tore aufgefallen, sagte “Jetzt sollte es gut sein” ohne zu sagen, was denn genau nun gut sein soll und was man daraus gelernt hat. Das entspricht aber dem üblichen Umgang mit durchaus berechtigter Kritik im Verein.

Wenn man abstiegsgefährdet, ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um Kritik zu üben und wenn man sich dann gerettet hat oder abgestiegen ist, muss auch mal gut sein und man müsse jetzt nach vorn schauen. Die üblichen, nichtssagenden PR-Stanzen sind so inhaltsleer, dass einem nicht nur die Bits und Bytes leid tun müssen, die dafür verschwendet werden, sondern auch jede Kilowattstunde Strom, die gebraucht wird, damit die Technik läuft, um so einen Käse zu verbreiten.

Dass sich nun einige über die Bayern aufregen, deren Spannungsbogen zum Saisonende etwas abfällt, so dass Herthas Mitkonkurrent um den Nichtabstieg dort einen Punkt holte, offenbart auch auf Fanseite eine eklatante Falschbewertung der Situation. Ein Sportler, der alles in dieser Saison abgehakt hat, darf sich eher anders verhalten als die Sportler, bei denen noch nichts in trockenen Tüchern ist. In Stuttgart scheinen die Spieler das eher verstanden zu haben als in Berlin, wo man lieber “positiv” sieht und “es auch mal gut sein” lässt. Und so gehen dann solche Spiele wie am Samstag verloren und so steigt man am Ende eben ab. Hochmut kommt nicht nur vor dem Fall, manche zeigen auch noch im Fall Hochmut, der ihnen gar nicht gut zu Gesicht steht.

HaHoHe, Euer Opa

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