Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2022, Allgemein, Spieltag

Wundenlecken

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(opa) Nach der gestrigen 1:4 Niederlage waren viele bedient. Es fühlt sich naturgegeben nie angenehm an, wenn man vom Rekordmeister verhauen wurde, der nicht nur besser, sondern eine andere Sportart zu spielen scheint. Andererseits ist dieser natürlich kaum ein geeigneter Maßstab für den Ligaalltag. Von daher kann es auch für das Fangemüt ein Ansatz sein, auf die spielerischen Ansätze zu schauen, die dann bei Spielen gegen “normale” Mannschaften helfen können. Da gibt es beim genauen Blick auf das gestrige Spiel durchaus Licht zwischen dem Schatten.

Doch eins nach dem anderen. Fangen wir mit der Taktik an. Trainer Korkut stellte gegen die Bauern auf 5er Kette um. Da Vizekapitän Stark verletzt ausfiel, bekam Kapitän Boyata die Junioren Dardai und Gechter an seine Seite. Das funktionierte nach einer anfänglichen Orientierungsphase durchaus zumindest soweit, dass man das auch als Option für die Zukunft sehen könnte. Andererseits wurde die 5er Kette oft von den gegnerischen Spielern überspielt, es kamen immer noch zu viele Flanken in den Strafraum, wodurch sich immerhin Torhüter Schwolow als “Krake” auszeichnen konnte, der viele Torchancen erfolgreich vereitelte, ansonsten aber leider auch durch einen kollektiven Blackout mit seinem Mitspieler Linus Gechter auffiel. Ein Querpass vorm eigenen Tor von Schwolow auf den gerade im Rückwärtslaufen befindlichen Gechter stiebitzte der sich in Pressingvorwärtsbewegung befindliche Sané und schloss eiskalt wie billig ab.

Da die Aufgabe des Torhüters auch ist, die Abwehr vor sich zu organisieren, wird das wohl Punktabzug bei der Benotung des Torhüters geben, zumal Querpässe im eigenen Strafraum eigentlich schon in der F-Jugend tabu sind und nicht selten in der Kabine mit Nackenklatschern bestraft werden. Spielentscheidend war der Fehler zwar nicht, fürs Gemüt und die Tordifferenz aber auch nicht förderlich. Denn so fiel der Sieg der Bayern unnötig höher aus als tatsächlich erforderlich.

Ansonsten fand ein launiger Thomas Müller im Interview nach dem Spiel deutliche Worte über Herthas Abwehr, die in einigen Szenen faktisch nicht stattgefunden hat. Sein Tor war tatsächlich eine Kopie des Knochetreffers aus dem Pokalspiel, wenn auch nicht ganz so sehenswert abgeschlossen. Diese humorig ausgesprochene Wahrheit tut leider weh und zeigt, woran es derzeit hapert. Hertha leistet sich für die gezeigten Qualitäten einen viel zu teuren Kader. Oder um es nach Finanzboss Schiller zu formulieren: Die Schiffe schwimmen zu hoch. Eine Mammutaufgabe, die man jedoch angehen muss und deren Lösung auch im sich bald schließenden Transferfenster wird zumindest begonnen werden müssen.

Das ist Aufgabe des Managers, der dafür ja einen Kaderplaner und mehrere Scouts auf die Payroll genommen hat. Der Markt ist für alle gleich schwierig, aber so wie es eben Aufgaben des Torhüters gibt, gibt es diese eben auch fürs Management und eine davon ist es, Lösungen zu finden, die mehr oder weniger sofort helfen. Wünschen wir ihm dabei also gutes Gelingen, die nächsten Tage werden für die Ungeduldigen unter uns hart werden, es werden viele Namen genannt werden und nicht alles wird sich realisieren lassen. Und nicht jeder Name, über den spekuliert wird, ist als Beleg für eine realistische Einschätzung geeignet.

Neben dem trüben Ergebnis und der Fehler, die wir erleben durften, gab es auch durchaus Lichtblicke. Ein kämpferischer und zweikampfstarker Mittelstädt hat gerade einen Lauf, weshalb seine Auswechslung in Minute 58 auch zunächst zweifelhaft erschienen ließ, die auch Innenverteidiger Dardai traf. So wohnten die Fans nicht nur der Rückkehr von Plattenhardt bei, sondern auch dem Debüt von Fredrik André Björkan. Die beste Nachricht des Tages dürfte gewesen sein, dass Stürmer Jovetic wieder spielfähig ist, den besten Moment hatte Ekkelenkamp, der den Berliner Ehrentreffer erzielte. Auch dass Serdar im Zentrum spielte, belebte das Offensivspiel von Hertha deutlich.

Trainer Korkuts Handschrift ist nach 8 Spielen also durchaus erkennbar. Man bemüht sich um offensiveren Auftritt, man steht höher und es gibt tatsächlich so etwas wie Spielzüge zu sehen. Die über die Jahre eingerissenen Mängel bei Pressingresistenz, Standardsituationen oder technischem Einmaleins der Ballbehandlung konnte er bislang nicht abstellen. Es sieht besser aus, der Punkteschnitt ist aber mit 1,14 nur 0,06 Punkte über denen des Vorgängers, was angesichts der Tabellensituation fürs Minimalziel so aber schlicht kaum reichen wird.

Die nächsten beiden Spielegegen Bochum und Fürth werden also durchaus einen Fingerzeig geben, wie der Rest der Saison verlaufen könnte. Gewinnt man beide, ist ein einigermaßen gesicherter Aufenthalt im Mittelfeld der Tabelle in Aussicht. Verliert man, steckt man tief unten mit drin und es ist für die Fanseele auch kein Trost, dass da auch andere unten mit drinstecken. Dass Hertha sich auf Augenhöhe mit Gladbach und Wolfsburg befindet, hätte vor der Saison für Optimismus gesorgt, angesichts der tiefen Krise dieser beiden Clubs ist das aber derzeit auch ein Warnzeichen, dass man sich trotz einiger guter Ansätze noch nicht in Sicherheit wiegen sollte.

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