(opa) Ham’ wa die verhaun? Ham’ wa! Was für ein Spiel am letzten Samstag. Hertha ist mit dem Sieg nicht nur Rekordhalter für den besten Saisonstart in der zweiten Liga, sondern die Art und Weise, wie diese Erfolge eingefahren werden, ist zutiefst beeindruckend. Wir treten selbst bei einem Team wie Kaiserslautern, die bis dahin die stärkste Abwehr der Liga hatten, dominant auf und lassen selbst kaum Chancen zu, spielen die Gegner an die Wand und lassen ihnen keine Luft zum Atmen. Und weil Trainer Leitl unbeirrbar wie unbeirrt an Stürmer Grönning festhielt, machte er gleich zwei Buden und jubelte, als wäre von ihm ein ganzes Bergwerk an Steinen vom Herzen gefallen.
Niemand, wirklich niemand, hätte vor der Saison geglaubt, dass wir nach 10 Spieltagen ungeschlagen mit 28 (!) Punkten und mit 9 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz einsam an der Spitze stehen. Nicht mit dieser Restetruppe, nicht mit dieser “lame duck” als Trainer. Und vermutlich hätten selbst der Trainer und der Manager selbst nicht an diese Entwicklung geglaubt. Aber nun ist es mal so und zumindest für den Moment gräbt keiner das Kriegsbeil aus, selbst wenn man an einigen Punkten meckern könnte wie die Stürmerflaute (zumindest vor dem Spiel) oder die bescheidenen Auftritte nach Ecken.
Zwei Neuzugänge sind vollständig eingeschlagen und sollten hier hervorgehoben werden:
Erstens Adewumi, der das Offensivspiel belebt und gleichzeitig diszipliniert mit nach hinten arbeitet und dieses Dominanzspiel ermöglicht. Sobald der Ball weg ist, wird angelaufen, als hätte man nie etwas anderes getan. Und zweitens Pedersen, der bei Augsburg aussortiert war und den man vielleicht auch aus der Verlegenheit geholt hat, als Zeefuik gesperrt war, der sich seitdem schwer tut, wieder ins Team zurückzukommen, weil Pedersen auf links einfach zu stark ist und sich immer wieder ins Offensivspiel einschaltet, als wäre er selbst der Torjäger.
Das klappt auch deshalb so gut, weil das Scharnier zwischen defensivem und offensivem Mittelfeldspiel so hervorragend funktioniert. Wirkte insbesondere Seguin letzte Saison noch hüftsteif wie weiland der jetzige Co-Trainer Mijatovic, als dieser gemeinsam mit Hubnik die Innenverteidigung bildete, ist er diese Saison eine echte Bank und putzt nicht nur aus und macht die Offensivbemühungen seiner Nebenleute möglich, sondern er nimmt auch überragend an der Spieleröffnung teil. Gleiches gilt für Sessa, der zwar gerade ein klein wenig abfällt gegenüber seiner Form von vor ein paar Wochen, aber den man nicht missen möchte. Und mit Telib wächst ein Talent heran, welches kaum schlechter ist und den immer fleißig rennenden Sessa entlastet, ohne, dass man seine Qualitäten vermissen würde.
Das Loblied könnte man weitersingen, eine Wahnsinns-IV mit Gechter und Kolbe, die von dem bißchen, was noch durchkommt, alles konsequent wegräumen, immerhin haben wir wieder zu Null gespielt und die Lauterer im eigenen Wohnzimmer gedemütigt, als sie an der Berliner Mauer zerschellt sind. Nicht vergessen werden soll auch der überragende Eitschberger und selbst der vor der Saison von vielen als zu schwach und zu vorbelastet eingestufte Gersbeck ist zu einem sicheren Rückhalt geworden und langweilt sich die meiste Zeit in seinem vereinsamten Kasten.
In diesem Umfeld blühte sogar Thorsteinsson auf, der nach Highlights in ein Loch gefallen zu sein schien, aber beim Spiel gegen Lautern wieder deutlich präsenter wirkte und seine Gegner beschäftigte. Dass Gouram deshalb nicht zu der Anzahl Einsätzen kommt, ist bedauerlich, aber in dem Fall fast ein Luxusproblem, denn auch wenn Trainer Leitl verlässlich erst um die 65. Minute herum einwechselt, lässt er den Eingewechselten damit genügend Spielminuten über die Höflichkeit hinaus und betreibt kluge Teamhygiene.
Nach all dem Mist, was wir als Herthaner in den letzten Jahren und Jahrzehnten erlebt haben, muss man solche Phasen einfach voll auskosten, denn es kommen auch wieder andere Zeiten.
Andere Zeiten scheinen, zumindest auf den ersten Blick, auch beim Thema Finanzen angebrochen zu sein. Auch wenn die Vereinsführung die dieser Tage veröffentlichten Zahlen etwas euphemistisch darstellt, sind zumindest keine solchen Stunts mehr enthalten wie in der Vergangenheit. Schlecht sind die Zahlen dennoch und man sollte sich keinen Illusionen hingeben, dass die Konsolidierung noch einige Jahre anhalten wird und weiter sehr, sehr herausfordernd sein wird und viel Disziplin erfordern wird, auch wenn einige im Überschwang des möglichen Aufstiegs schon wieder die Köpfe über die Wolken zu stecken versuchen. Und es wird Rückschläge auf diesem Weg geben, sportlich wie finanziell, deshalb ist die Richtung dennoch grundsätzlich richtig.
Mit stolzgeschwellter Brust des Tabellenführers entlasse ich Euch in die restliche Woche, wünsche Euch viel Vergnügen hier und anderswo und am Samstag macht der Bär Wolfsgulasch und gibt ein Pfeifkonzert für weiße Stirnbandträger in D-Moll.
HaHoHe, Euer Opa