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Hamwadieverhaun oder der Traum von 100 Punkten?

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(opa) Mit mulmigen Gefühlen ging es zum Auswärtsspiel nach Braunschweig, die Stadt, die im zwölften Jahrhundert Residenzstadt des mächtigen Welfenherzogs Heinrich des Löwen war und dessen Wappen immer noch trägt. Der Sage nach wurde Heinrich der Löwe auf einer Reise im Heiligen Land durch einen Löwen vor einem Drachen gerettet und anschließend soll der Löwe ihm bis nach Braunschweig treu gefolgt sein. Später, im Jahr 1874, führte der Lehrer Konrad Koch erstmals das Fußballspiel in Deutschland ein, bis 1918 regierte Ernst August aus dem Haus Hannover, welches bis 1901 die englischen Könige stellte. Dies war der Großvater des später als prügelnder Pinkelprinz berühmt gewordenen gleichnamigen heutigen Familienoberhaupts, der immer noch mit Caroline von Monaco verheiratet ist. 1932 wurde dann ein staatenloser wie erfolgloser Postkartenmaler in Braunschweig eingebürgert, 1945 waren dann 90 % der Innenstadt durch Bomben zerstört und in der Nachkriegszeit autogerecht umgeplant und aufgebaut. Hier könnte der Bildungsauftrag enden, aber die Geschichte Braunschweigs wäre unvollständig erzählt, wenn man das im August 2026 stattgefundene Ereignis unerwähnt ließ, denn da kam der Berliner Bär mit der blauweißen Hertha und ging wie eine Abrissbirne durchs Eintracht-Stadion. Und wie!

Das mulmige Gefühl hielt nämlich noch bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit an, Hertha kam durch einen Fehler von Kolbe früh in Rückstand, steckte zwar nicht auf, doch nach einem Eckball schlief die gesamte Berliner Abwehr den Schlaf der Selbstgerechten und ließ eine riesige Lücke für den Torschützen. 2:0 in der 33. Minute, Herthas Siegesserie schien gerissen. Und dann kam neben dem Berliner Bär auch noch der Wikinger Thorsteinsson, der in den letzten Monaten eher nicht so doll performte und dann erst selbst den Anschlusstreffer besorgte und kurz darauf in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für Brekalo auflegte, der den Ball mit viel Effet um den weit herausgerückten Keeper ins quasi leere Tor schoss wie eine Bowlingkugel. Ein echter „I werd narrisch“ Moment, so wichtig, kurz vor der Pause das Ding auszugleichen.

Wer dachte, Hertha käme bräsig aus der Kabine, hatte sich getäuscht. Hertha drückte weiter, vergab aber kläglich Chancen, allen voran Grönning, der einige Treffer auf dem Fuß, aber nicht im Tor hatte. So musste dann ein Braunschweiger mit einem quasi erzwungenen Eigentor die Führung der Berliner besorgen. Ein vom VAR geschenkter Elfmeter für Hertha, wann gab’s das zuletzt? Aber man wehrt sich auch nicht dagegen, Brekalo machte das 4. Tor vom Elfmeterpunkt. Intensiv bis zum Schluss ging es weiter, Adewummi durfte auch noch ein Tor beitragen, der Anschlusstreffer kurz vor Schluss änderte nichts mehr am grandiosen Auswärtssieg des zu diesem Zeitpunkt neuen Tabellenführers, wo im Gästeblock siegestrunken das 100 Punkte Lied angestimmt wurde.

Positiv auffällig waren neben Thorsteinsson der Neuzugang Pedersen, der Akzente setzte. Überhaupt waren erstaunlich viele Angriffe aus der Viererkette zu sehen, was echten Offensivpunch gab, allerdings auch dafür sorgte, dass man in der einen oder anderen Situation hinten blank stand und es ganz schön brenzlig wurde. Da steht noch Feinarbeit in der Balance vor der Tür. Sessa und Seguin machten aber insbesondere defensiv einen guten Job und räumten wenn möglich, einige Angriffsbemühungen schon im Mittelfeld ab. Auch Gersbeck wirkte meist sicher und entwickelt sich zum echten Rückhalt, der durchaus auch ein Auge für schnelle Spieleröffnungen hat.

Also alles richtig gemacht? Fast. Denn wo Licht ist, ist durchaus auch Schatten. Anlass zur Kritik liefert u.a. die Auswechslungen. Warum Leitl kurz vor Schluss die bis dahin gut funktionierende Viererkette auseinanderriss und Dardai für den positiv auffälligen Pedersen brachte, weiß wohl nur er und prompt fiel auch das Gegentor. Das kann man vielleicht nur damit erklären, dass Dardai nochmal ins Schaufenster soll, um ihn doch noch verkaufen zu können, aber so wird das vermutlich nix und wenn der Vorsprung nicht so komfortabel gewesen wäre, hätte so ein Move auch wirklich ins Auge gehen können.

Doch an so einem Abend war allen zum Feiern zu Mute. Nach vielen Jahren sportlichen Darbens darf der leid- und leitlgeplagte Herthafan auch einfach mal genießen, oben auf der Schaumkrone zu schwimmen. 3 Spiele, 3 Siege, 9 Punkte und 6 Tore positive Torbilanz sind ein richtiges Brett, denn mehr ging bisher einfach nicht. Doch halt: Das schönste an diesem Moment beim Blick auf die Tabelle dürfte derzeit das Gesicht von Fabian Reese sein, der jetzt für die Werte von VW eintritt und wohl sehnsüchtig nach Berlin schaut. Hätte er nicht für ein paar lausige tausend Euro mehr im Monat seine Seele verkauft, könnte er ggf. mitjubeln.

Und wer weiß, wenn das so weitergeht, ist doch deutlich mehr drin als selbst die größten Optimisten gedacht hätten. Nicht, dass irgendjemand scharf auf die Radkappe wäre, die zudem ja erstmal vom Grubenwasser desinfiziert werden müsste, aber in der Form, in der das Team derzeit ist, ist Hertha tatsächlich zum Kreis der Aufstiegskandidaten zu zählen. Mit einem Rumpfteam, dem niemand das so vermutlich zugetraut hätte. Umso schöner, dass es nun doch gelungen ist, ein Team zu formen, wo einer für den anderen arbeitet, exemplarisch war das nach dem Fehler von Kolbe zu sehen, wo die halbe Mannschaft zu ihm ging und ihn tröstete. Da ist etwas echtes gewachsen, was vielleicht mit dem Stirnbandträger nicht möglich gewesen wäre. Soll er woanders das Logo auf dem Trikot küssen, wir küssen das hier und jetzt und singen demütig „100 Punkte, 100 Punkte, wir träumen jedes Jahr von 100 Punkten!“

HaHoHe, Euer Opa

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