(opa) Gestern wurde auf dem Olympiagelände Saisoneröffnung gefeiert, nicht nur mit ausreichend Getränke und Toiletten, sondern auch mit der obligatorischen Hüpfburg. Hertha ist bezüglich der Planung eines solchen Events im Laufe der letzten Jahre besser geworden. Leider ist man im Laufe dieser Jahre sportlich in die Bedeutungslosigkeit gestürzt, weshalb Fragen nach Prioritäten durchaus berechtigt erscheinen. Fragen gab es obendrein gestern reichlich, vor allem, mit welchen Spielern man in die Saison starten will. Herthas derzeitiger Kader besteht aus 25 Spielern, von denen einige noch mögliche Abgangskandidaten sind. Bei Torhüter Ernst scheinen nur noch die letzten Details geklärt werden zu müssen, bei anderen Abgangskandidaten ist es fraglich, ob es Interessenten gibt, die bereit sind, den Spielern ein Umfeld zu schaffen, welches sie zu einem Wechsel bewegen könnte.
Insofern war es nur folgerichtig, dass Geschäftsführer Dr. Görlich (mittlerweile besser bekannt als Dr. Einstecktuch) gestern wortreich allen Fragen aus dem Weg ging und stattdessen sprach wie ein Politiker im Wahlkampfmodus. Man sei fleißig gewesen und habe zwar seit Oktober “intensiv” klar vorgegebene Profile erstellt, aber der Markt sei eben derzeit “dynamisch” und es brauche Geduld, vorsorglich schwörte er die Fans gleich mal auf eine “mehrjährige Reise” ein. Und ja, der Mann bekommt vermutlich sehr viel Geld für die viele heiße Luft, die er so von sich gibt. Neue Spieler hat Hertha deshalb trotzdem nicht, auch wenn Trainer Leitl zwischen den Zeilen nun Taten einfordert und auch einige Spieler sich entsprechend einlassen, dass man schon Zeit bräuchte, um sich einzuspielen und Achsen zu bilden.
Es bleiben also nahezu alle Fragen offen, niemand weiß derzeit, wer noch kommt, wer spielt und was die Zielsetzung der neuen Saison eigentlich sein soll. Wir wissen nur, dass wir auf einer mehrjährigen Transformationsreise sind. Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Präsident Drescher fehlte gleich gänzlich, nun mag es sein, dass es Verpflichtungen gibt, die wichtiger sind, aber Herthapräsident ist das zweitschönste Amt nach dem Papst, da darf man eigentlich so ein Fest nicht schwänzen.
Schwänzen werden unter diesen Umständen wohl auch viele Fans außerhalb der ausverkauften Ostkurve. Nicht nur, dass man nicht weiß, wer eigentlich spielen wird, man hat trotz eher mauer sportlicher Ergebnisse die Preise angezogen. Zwar gewährt man Dauerkarteninhabern die Benefits, die man früher Mitgliedern gewährte, aber ein echtes Verkaufsargument scheint sich daraus nicht zu entwickeln. So erfreulich es ist, dass man etwas mehr TV Geld einnimmt als in der vergangenen Saison, wird man es beim Spielbetrieb wohl wieder verlieren, denn weniger Zuschauer bedeutet auch weniger Bier, weniger Bratwurst und weniger Merchandising.
Dazu kommt, dass auch die Gäste in dieser Saison tendenziell nicht mehr so viele Zuschauer mitbringen. Ehemalige Gästekontingentgaranten wie Hamburg, Köln oder Gelsenkacken kicken längst wieder in der 1. Liga und niemand bei Verstand rechnet bei Duellen gegen Heidenheim oder Wolfsburg mit einem ausverkauftem Haus. Und so liefern die Umstände für die kommenden Mitgliederversamlungen genügend Ausreden für die Dampfplauderer, dass ein “dynamisches Umfeld” bessere Ergebnisse verhindert hätte, aber nach Abschluss der mehrjährigen Reise, von der man sich vorsorglich nicht auf die Anzahl der Jahre festlegt, würde sicher alles gut werden, wenngleich wohl allen klar sein dürfte, dass die heute Verantwortlichen dann bereits ihre Abfindung verprassen. Oder einklagen, wie derzeit immer noch Fredi Bobic, dem Hertha grob geschätzt immer noch 4,5 Mio. € schuldet.
Aber hey, es gibt eine Hüpfburg, wer braucht da schon Neuzugänge? Wer einen Blick auf die Detailpositionen wirft, stellt mit Grauen fest, dass Hertha auf vielen Positionen qualitativ und quantitativ unterbesetzt ist. Mindestens ein linker Außenverteidiger, ein offensiver Rechtsaußen und ein zentraler Stürmer wären dringend erforderlich. Die Frage, ob nach einem möglichen Abgang von Torhüter Ernst noch ein vierter Torhüter verpflichtet werden muss, spaltet die Gemüter seit Wochen. Wenn man es mit dem Sparkurs und der mehrjährigen Reise ernst meint, müsste es mit den drei Resttorhütern reichen. Nur häufig ist es bei Gestalten wie Dr. Einstecktuch eben so, dass sie das, was sie sagen, nicht so sonderlich ernst meinen. Oder im Zweifel anders. Man erinnere sich nur an seine Überzeugung, dass man um den Aufstieg mitspielen würde und wie “brutal” seine Lust auf Leistung war. Am Ende kam Platz 7 und der Verkauf des Tafelsilbers.
Ein gutes haben die Umstände allerdings. Hertha dürfte ziemlich frei von höheren Erwartungen aufspielen dürfen. Wobei dann eine weitere Ausrede wegfiele. Man wird sehen, wann es losgeht mit der mehrjährigen Reise und wie lange sie wirklich dauert und wohin sie führt. Vielleicht bereitet man ja auch schon Szenarien vor wie in München bei den Löwen, um den Investor loszuwerden. Das dürfte auch eine mehrjährige Reise werden. Wenn es überhaupt eine gibt, denn angesichts der unklaren Umstände könnte es auch sein, dass man noch einmal ganz von vorn und ganz unten anfangen muss. Dann reicht für die Reise eine Netzfahrkarte für den Großraum München.
Dagegen hören sich Herthas Probleme beinahe luxuriös und die Umstände beinahe glamourös an. Und wir haben eine Hüpfburg.
HaHoHe, Euer Opa