Veröffentlicht am Kategorien 2. Bundesliga, 2026, Allgemein, Spieltagsnachlese

Schockstarre

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(opa) Auch fünf Tage nach dem Spiel scheint im Umfeld von Hertha so etwas wie Schockstarre zu bestehen, denn der späte Ausgleich fühlte sich nicht nur wie eine unnötige Niederlage an, damit konnten auch die letzten zarten Hoffnungen zu Grabe getragen werden, dass man sich vielleicht doch noch einmal ins Aufstiegsrennen einklinkt. Die Konkurrenz spielte für Hertha und altgediente Herthaner wissen, dass in solchen Momenten die alte Dame unglaublich gern schwächelt. Verlässlichkeit ist zwar in einer Beziehung durchaus grundsätzlich wünschenswert, doch muss das ausgerechnet in der Kategorie “Enttäuschung” sein?

Zumal die gefühlte Niederlage durchaus vermeidbar schien, denn man hatte die Gäste aus dem Ruhrpott über weite Teile des Spiels einigermaßen sicher im Griff, vor allem, weil sie offensiv noch harmloser waren als die ebenfalls zahnlos auftretenden Herthaner. Während die Bochumer aber von Auf- und Einstellung verändert aus der Kabine kamen, ließ sich die bis dahin dominierende Hertha immer weiter hinten reindrücken. Ergebnis verwalten konnte das Team von Trainer Leitl nur eben noch nie wirklich gut. Immer tiefer wurden die Blauweißen von den Bochumern vors eigene Tor gedrückt, doch den Stecker zog Trainer Leitl selbst, indem er kurz vor Schluss auf die verrückte Idee kam, noch zwei Abwehrspieler auf den Platz zu werfen, von denen einer eigentlich schon als Sportinvalide galt und obendrein auf Fünferkette umstellte.

Das Kuddelmuddel in der Zuordnung und die mangelnde Spielpraxis der Einwechselspieler sorgte dann für die motiviert drückenden Bochumer für den für sie erlösenden Ausgleich, den sie nicht zu Unrecht feierten wie einen Auswärtssieg. Hertha hatte sich mal wieder selbst besiegt und nicht wenige Fans waren über Tage sprachlos und ich bin ehrlich, ich auch. Was soll man zu solchen Enttäuschungen auch noch schreiben? Zumal düstere Wolken am Horizont aufziehen, nicht nur, dass man das Saisonziel Aufstieg vorzeitig ad acta gelegt hat, daraus ergeben sich ja auch weniger TV Gelder und obendrein droht Ärger mit der DFL, weil man das negative Eigenkapital nicht um den vorgeschriebenen Satz reduziert hat.

Findet Manager Huschen dafür keine Lösung, geht Hertha in der kommenden Saison mit bis zu 6 Negativpunkten an den Start. Wenn man denn überhaupt eine Lizenz erhält, denn die kürzlich veröffentlichten Zahlen sind alles andere als rosig. Weiterhin gibt man zu viel Geld aus. Dass es obendrein dann nur für zu wenig Tabellenplatz reicht, muss enttäuschen und ist kein Grund, irgendeinem Verantwortlichen zu gratulieren. Wir wohnen hier einem strukturellen Versagen bei, welches das Potential in sich trägt, den Verein in den Abgrund zu stoßen. Zwar hat man einen Teil der Anleihe zu wohl besseren Konditionen umschulden können, nur ist das Ergebnis das gleiche, wenn gleichzeitig wegen rückläufiger TV Gelder Einnahmen fehlen.

Hertha müsste jedes Jahr einen Maza oder Eichhorn verkaufen und nicht ersetzen, um vom Schuldenberg herunterzukommen. Stattdessen werden diese Extragelder dafür verwendet, überteuert Spieler zu verpflichten, die ihre Leistung nicht bringen und das Geld nicht wert sind. Jeder Schatz, den Hertha schürft, wird in einem ineffizienten Funktionärsapparat verplempert, in dem Buddy-Netzwerke sich gegenseitig Alibis geben. Da nutzt es auch nichts, wenn man den bereits toten Marketingslogan des “Berliner Wegs” immer weiter reitet. Dieser Weg wirkt eher wie ein Irrweg oder ein Rundweg, der im Sommer mit dem ersten Spieltag der zweiten Liga beginnt. Ätzende Anstoßzeiten inclusive.

Veränderungen von außen wurden zwar gerade verpflichtet, beim Blick auf die Historie des neuen Personals fällt aber auf, dass es sich dabei auch um Buddys des neuen Geschäftsführers handelt. Also wieder Menschen, die verpflichtet wurden, weil man sich kennt. Und die in einem Umfeld gearbeitet haben, welches völlig anders tickt als unser Verein. Man muss kein Prophet sein, wenn man auf die größere Wahrscheinlichkeit hinweist, dass das vermutlich eher in die Hose geht. Zumal nichts davon irgendwie kommunikativ begleitet wird. Scheinbar immer neue Leute bekommen immer neue oder ergänzende Jobs, während die alte Garde weiter im Sattel sitzt, die das Schiff in die heutige Lage manövriert haben.

Nun mag es sein, dass öffentliches “Tabularasa” für Unruhe sorgt, aber irgendwann muss man eben im Profisport auch schmerzhafte Veränderungen kommunizieren. Diejenigen, die den Kader und das sportliche Kerngeschäft zu verantworten haben und zum dritten mal in Folge trotz Rekordbudget nicht einmal annähernd etwas mit dem Aufstieg zustande bekommen, dürfen keinesfalls weitermachen. Die Arbeit von Sportchef, Trainer, Funktionsteam (vor allem Standardtrainer) muss hinterfragt werden und im Zweifel wird man sich auch trennen müssen. Auch wenn man sich das eigentlich nicht leisten kann, denn der unwürdige Bobicprozess könnte man auch als ein teures Darlehen betrachten, welches bei der Lizenzierung nicht als solches (und ggf. teilweise) auftauchen muss, so lange es kein rechtskräftiges Urteil gibt. Nur wie lange will man das noch durchhalten? Bis zur Insolvenz?

Wenn Hertha nicht endlich den Turnaround schafft, finanziell wie sportlich, wird sich dieser Blog schon bald mit Amateursport beschäftigen müssen. Zwar dürfte die Fanbase da sein, um etwas Neues nach einem Untergang aufbauen zu können, aber das würde für mindestens ein Jahrzehnt dunkelste Zewiten bedeuten. Während draußen frühlingsbedingt die Tage immer länger und heller werden, verdüstert sich die Prognose für unseren Herzensverein, der nach knapp 134 eher in einer Art palliativer Behandlung zu sein und nur noch auf den eigenen Tod zu warten scheint, während die Erbschleicher das Vermögen längst auf den Kopf gehauen haben.

Ich wäre gern mit positiverer Stimmung aus der Spieltagsnachlese gegangen, aber derzeit ist das schon das fröhlichste, was ich liefern kann. Aber vielleicht gibt es da draußen ja noch jemanden, der Licht am Ende des Tunnels sieht, welches nicht von einem entgegenkommenden Zug stammt. Möge er oder sie und gern beleuchten.

HaHoHe, Euer Opa

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