(opa) Fangen wir mit dem Positiven vorweg an: Der Patient Hertha scheint schon noch Puls zu haben, dafür war das Aufbäumen in der 2. Halbzeit zu wahrnehmbar, auch wenn das Ergebnis keinesfalls die Leistung über 90 Minuten widerspiegelt und insgesamt beinahe eher etwas beschönigend schien. Um mit dem Positiven fortzufahren, könnte man auch die grüne Farbe des Rasens loben oder dass jemand den Lichtschalter fürs Flutlicht gefunden hat. Sehr viel mehr positives lässt sich allerdings kaum zusammentragen vom gestrigen Spiel. Zu deutlich hat sich die Truppe hängen lassen, die vor wenigen Tagen noch so große Moral zeigte und den Bundesligisten im Pokal am Rand einer Niederlage hatte. Klar kann man Spiele verlieren, aber so wie gegen Hannover aufzutreten? Bei dem eigenen Anspruch?
Man muss kein Prophet sein, wenn man jetzt feststellt, dass man Hertha höchstens noch zum Klassenerhalt gratulieren kann. Aber mit dem Aufstieg dürfte dieses Team nichts mehr zu tun haben, dafür hat man jetzt schon zu viele Big Points liegen lassen. Beinahe drängt sich der Eindruck auf, die Spieler haben gegen Freiburg deshalb so intensiv gekämpft, um ihren Marktwert im Sommer möglichst hoch bewertet zu bekommen. Der Ligaalltag scheint einige Spieler nur bei für sie wichtigeren Sachen zu stören. Friseurbesuche zum Beispiel, wobei die Frage bei einige Frisuren erlaubt sein darf, was die Friseure denn beruflich machen oder ab es sich um Hundefriseure handelt.
Dass Trainer Leitl nach seiner 4. gelben Karte gesperrt fehlte und von der Tribüne zuschauen musste, war sicher nicht hilfreich, allerdings fragt man sich angesichts der sonst zur Schau gestellten Passivität des Trainers, bei welcher Gelegenheit er sich 4 gelbe Karten eingehandelt hat. Hat er die Frauen der Schiedsrichter beleidigt? Ansonsten spielt die Mannschaft sehr oft so, wie der Coach an der Seitenlinie wirkt, wenn er dort steht. Passiv, lustlos, ratlos. Das war in Schwächephasen immer wieder bei Leitl zu beobachten und man wusste bei Hertha, worauf man sich einließ. Dass man keinen neuen Geschäftsführer geholt hat, damit der als erste Amtshandlung den Trainer feuert, war ebenfalls klar. Genau wie, dass dieser nicht allzu offen die Probleme im Verein anspricht. Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.
Dass man nun personell im Scouting nachlegt, zeigt allerdings überdeutlich, dass man gewillt ist, die Unwucht in der Kaderplanuung auszubügeln. Viel zu teure vermeintliche Superstars, sehr viel Quantität im Mittelfeld, welche das Fehlen eines 16jährigen nicht kompensieren kann und Spieler der Kategorie “wandelnder Chancentod” im Sturm sind in Verbindung mit einem eigenwilligen Trainer eine Kombination, die eben nicht reicht, um ganz oben mitzuspielen. Der Aufstieg von Leitl mit Fürth scheint eher Zufall als Plan gewesen zu sein. Und genauso zufällig scheint eben auch das Management unseres Vereins zusammengewürfelt zu sein.
Die Mitglieder wollten das so. Zumindest diejenigen, die sich organisiert haben, um Mehrheiten zu beschaffen. Gräben hat man dabei keine zugeschüttet, eher noch weitere ausgehoben. Und neue Probleme geschaffen, die man kaum mehr wird eingefangen bekommen. Herthas Weg führt idealerweise gerade in die Niederungen der grauen Maus im Mittelfeld der zweiten Liga. Bestenfalls. Im schlimmsten Fall steht die eigentliche Rosskur noch bevor, denn der Umbruch im Sommer wird heftig werden. Reese, Ernst und Eichhorn werden sicher weg sein, Cuisance wird man ebenfalls von der Payroll kriegen müssen, dazu muss man Spieler loswerden, die bewiesen haben, dass sie keinen sportlichen Mehrwert liefern und für das gezeigte deutlich zu teuer sind.
Das zu erwartende Ergebnis sollte nicht verwundern, wenn es in der kommenden Saison eher gegen den Abstieg geht. Und damit um die Existenz des Vereins. Denn auch wenn der Verein nicht müde wird zu formulieren, dass man sich auch in Liga 2 konsolidieren könne, wird dabei verschwiegen, dass das nur mit entsprechenden Konsequenzen gehen wird, die sich in erster Linie auf die sportliche Qualität auswirken werden. Und wenn der Klassenerhalt gefährdet ist, ist es die Finanzplanung erst recht. Untergang droht. In der 3. Liga (oder tiefer) wird man seinen Kapitaldienst kaum leisten können, vom dann viel zu teuren Stadion ganz abgesehen.
Zu viel Trübsinn für den einen oder anderen, der lieber mehr positives lesen würde. Dann nochmal von vorn lesen, der Rest wird die ungeschönte Wahrheit über die aktuelle Situation schon erdulden. Oder um es mit Laotse zu sagen:
Schöne Worte sind nicht wahr. Wahre Worte sind nicht schön.
Um 7 bzw. 8 Punkte Rückstand in 13 Spielen aufzuholen, müsste man nicht nur auf die Mithilfe der vor einem liegenden Teams hoffen, sondern auch 0,53 Punkte mehr pro Spiel erreichen, was dem derzeitigen Punkteschnitt des Tabellenersten entspräche. Klar kann man sich an diesen Strohhalm klammern, aber die Wahrscheinlichkeit, dass man sehr bald enttäuscht sein wird, dürfte groß sein, die einzige Konstante von Hertha in dieser Saison ist die Enttäuschung.
Draußen mag der Frühling langsam kommen, aber die Aussichten für Hertha bleiben trotz Sonnenschein und länger werdenden Tagen trüb und die Stimmung frostig.
HaHoHe, Euer Opa