Veröffentlicht am Kategorien 2. Bundesliga, 2026, Allgemein, Trainingslager

Wenn es dunkel wird in Berlin…

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(opa) Herthas Abflug ins Trainingslager verlief holperig, der Linienflug wurde wetterbedingt gestrichen und man musste wohl ein Flugzeug chartern und startete somit verspätet an die wunderschöne Algarve, wo derzeit Höchsttemperaturen von milden 12-15° gemessen werden, was ganz sicher angenehmer ist als die frostigen Berliner Temperaturen mit Schnee und Dunkelheit durch den Stromausfall im Südwesten. Wer vor wenigen Tagen noch über “Prepper” lachte oder diese gar in eine dubiose Ecke stellte, der dürfte sich nun am eigenen Lachen verschlucken. Ohne Strom kein Handy, kein Kaffee und keine Heizung und wer keinen Kamin hat (der ja obendrein verboten werden soll), dem bleibt dann nur noch die Flucht zu Freunden, Verwandten oder ins Hotel. So schnell wird aus Wohlstand und Zivilisation ein Dasein auf der Flucht.

Fliehen ist allerdings auch ein gutes Stichwort, wenn es um die Frage der Sinnhaftigkeit von Wintertrainingslagern geht. Während sich z.B. der Tabellenführer und nächste Gegner hierzulande vorbereitet, hat man sich bei Hertha dagegen entschieden, unter den Konditionen zu trainieren, unter denen das erste Spiel zu bestreiten sein wird. Die Antwort auf die Frage, was richtig ist, ist komplex, aber es scheint auch ohne Vorbereitung in der Sonne des Südens zu gehen, weshalb eine Notwendigkeit tendenziell verneint werden kann. Zumal beispielsweise dem BVB sein Trainingslager im spanischen Marbella gerade ins Wasser fiel, die ersten Tage musste man ausweichen, weil der Trainingsplatz wegen der Regenfälle nicht bespielbar war.

Und so überragend waren die Auftritte zuletzt auch nicht, die das Team um Trainer Leitl präsentierte, dass man sie nun mit einem Trainingslager im Süden belohnen müsste. Sicherlich ließen sich bei entsprechendem guten Willen eine Menge Argumente zusammentragen, die es als sinnvoll erscheinen lassen, sich zu diesem Zweck in die Sonne zu begeben, von mentalen Auswirkungen erhöhter Sonnenstrahlendosierung bis hin zu körperlichen Aspekten wie weniger Verletzungsanfälligkeit. Aber die Wahrheit wird am Ende auf dem Platz zu sehen sein und der liegt hierzulande bei frostigen Temperaturen. Unter diesen Konditionen wird man funktionieren und abliefern müssen und das Trainingslager ein Thema sein, wenn man nicht erfolgreich ist.

Auch unter dem Aspekt, dass der Verein stets betont, wie finanziell klamm man sei, bekommt so ein Trainingslager ein gewisses G’schmäckle. Man fährt ja nicht per Charterbus für 19 € pro Person und gastiert in der Jugendherberge, sondern fährt das gesamte Verwöhnprogramm von Business Class bzw. Charterflieger bis hin zu 5-Sterne-Hotel mitsamt mehrerer Banketträume und Trainingsplätzen auf, was insgesamt durchaus erkleckliche Summen aufhäuft, die man doch angeblich nicht haben will und damit ja auch die Streichung von Mitgliederrabatten rechtfertigte. Geschäftsführer Görlich ist übrigens auch nach Portugal geflogen. Sicher auch als Sparmaßnahme. Es sind Signale wie diese, die Menschen irgendwann zum Enten füttern treibt.

Wenn die Spieler jedoch abliefern sollten und beim Rückrundenauftakt die Gegner vom Platz fegen, dürfte das meiste sofort verziehen sein. Dass ausgerechnet der Tabellenführer kommt, dürfte Fluch und Segen gleichzeitig sein. Einerseits hält es die Spannung aufrecht und angesichts der selbstgesteckten Ziele muss man sich genau an dieser Regalhöhe messen lassen. Andererseits kann das natürlich auch ein Dämpfer sein, der die frisch in der Sonne Portugals gewonnene Motivation sinken lässt, wenn es schiefgehen sollte. Sicher wird an diesem einen Spiel nicht die Frage des Aufstiegs hängen, aber der Ausgang des Spiels ist schon mehr als nur eine Standortbestimmung.

So, wie viele im Fall von Hertha hoffen, dass es schon gut geht und die Vereinsführung weiß, was sie da tut, so hofften das auch viele Berlinerinnen und Berliner im Fall des Katastrophenschutzes. Als Symbolbild sei erwähnt, dass die Berliner Polizei mit Lautsprecherwagen durch die Straßen fährt und den vom Stromausfall betroffenen Menschen den Rat gibt, bei Dunkelheit Taschenlampen zu verwenden. Es ist immer ratsam, denjenigen kritisch auf die Finger zu schauen, die sich als Leitwölfe präsentiert haben und sich nicht blind auf sie zu verlassen, sonst könnte man bei Hertha irgendwann ähnlich sinnvolle Lautsprecherdurchsagen hören.

Das Team ist gefordert abzuliefern. Diesen Kader wird man sich kaum mehr leisten können, wenn das Saisonziel Aufstieg nicht geschafft wird. Neben Selbstläufern wie Eichhorn wird man jedoch große Schwierigkeiten haben, Großverdiener wie Reese loszuwerden, wer sollte den in der derzeitigen Form für eine nennenswerte Ablöse haben wollen und diesem gleichzeitig einen Vertrag bieten, die ihn motiviert zu gehen? Die vorzeitige Vertragsverlängerung ist in dieser Form ganz sicher als strategischer Fehler zu bezeichnen, der nur Verlierer zurücklassen dürfte, denn auch dem Spieler hat das offensichtlich nicht gut getan und seine Rolle ist mit beinahe unerfüllbaren Erwartungen aufgeladen worden. “Fast” ist eben auch daneben.

Fußball als Ergebnissport kann so wundervoll sein, er kann aber auch unglaublich grauenvoll sein. Insofern hilft es, sich auf alles vorzubereiten, sei es als Fan oder eben als Mannschaft, die hoffentlich noch genug Trainings bei hiesigen Wetterbedingungen haben wird, um sich akklimatisieren zu können. Und möge allen vom Stromausfall betroffenen Menschen bald ein Licht aufgehen.

HaHoHe, Euer Opa

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