Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2021, Allgemein, Spieltag

Gemeinsam Hertha

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(opa) Wenn schon die Ergebnisse nicht stimmen, Pal Dardai konnte aus 5 Spielen gerade einmal einen Punkt holen, hat man sich bei Hertha für etwas Werbetammtamm entschieden und so präsentieren sich Offizielle auf den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #GemeinsamHertha. Ein Nachfolger für die unseligen Aufholjäger? Die Frage, ob man den Turnaround schafft, beschäftigt uns ja schon seit ein paar Wochen und angesichts des Unterschieds zwischen dem, was man auch angesichts der Gegner auf dem Platz sieht und den erreichten Ergebnissen, ist die Antwort auf diese Frage nicht nur ungewiss, sondern vor allem vielfältig.

Rückendeckung von den organisierten Fans hat das Team, auf dem Trainingsgelände war gestern jedenfalls eine entsprechende Bekundung zu sehen:

Wie wichtig der Klassenerhalt ist, wird jeder nachvollziehen können, der die letzten Abstiege miterlebt hat. Der Impact einer solchen Zäsur zieht sich in vielerlei Hinsicht über Jahre. Die wirtschaftliche Delle, die durch Imageschaden und “Streckung” von Spielerverträgen entsteht, ist dabei nur ein Aspekt, aber unter normalen Umständen ist das auch angesichts der Zuschauerzahlen im Stadion zu beobachten, denn auch der noch so sehr Treue schwörende Fußballfan überlegt es sich mehrfach, ob er sich im tiefsten Winter ein Duell gegen Gegner wie Sandhausen, Osnabrück oder Paderborn antut.

Was für den interessierten Groundhopper und Auswärtsfahrer durchaus reizvolle Abwechslung darstellt, ist für Sponsoren und Fans des erstklassigen Fußballs (den es ja im Zweifel wenigstens beim Gegner in der 1. Liga zu sehen gibt) etwa so abschreckend wie ein Anruf oder Besuch der Schwiegermutter während der Flitterwochen. Daher gilt es, Hertha mit aller Kraft in der ersten Liga zu halten. Doch dafür wird man nicht nur wie in den letzten Spielen ordentliche Leistung erbringen, sondern punkten müssen. Und bei dem einen oder anderen Spieler fragt man sich, ob er den Ernst der Lage wirklich verstanden hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich mit Khedira und Cunha gleich zwei Spieler verletzt haben, die von beinahe zentraler Bedeutung sind (um auch die saudumme Floskel des zentralen Eckpfeilers zu vermeiden, die sonst gern mal von dem einen oder anderen Politiker bedeutungsschwer wie widersinnig verwendet wird). Zwar konnte das Team in der zweiten Hälfte durchaus kompensieren, ob das aber über ein ganzes oder gleich mehrere Spiele geht, wird noch herauszufinden sein. Denn ein Cunha ist nicht nur beinahe immer anspielbereit, er bindet auch meist mehr als einen Gegenspieler und schafft somit Räume für seine Mitspieler.

Doch alles Jammern nützt nichts und die Muskeln wachsen nicht schneller zusammen, wenn wir drüber lamentieren. Insofern gilt es, sich einigen Lichtblicken hinzugeben: Erneut schafft es Pal, Nachwuchsspieler ins erste Team zu integrieren. Luca Netz wurde zwar auch schon von Labbadia mal eingewechselt, aber die Regelmäßigkeit und vor allem Spieldauer hat es erst unter Pal gegeben. Dazu erhält Márten Dárdai die Chance, in die Fußstapfen des Vaters zu treten und macht seine Sache durchaus ordentlich.

Auf der Seite “sehr erfreulich” darf man wohl auch die Tatsache verbuchen, dass Hertha hinsichtlich des Spielsystems eine Flexibilität an den Tag legt, die manch einer dem Team wie dem Trainer nicht zugetraut hatte. Ein Fluidum zwischen 3-5-2 bzw. 3-4-3 gegen WOB hatte wohl keiner von uns Couchtrainern auf dem Zettel. Dass es durchaus gut funktionierte und Hertha sich jede Menge Chancen erspielte, ohne dem Gegner selbige in allzu großer Zahl zu eröffnen, war wohl auch kaum vorhersehbar. Das Team lebt, jetzt gilt es, diese Qualitäten gegen die kommenden Gegner aus den unteren Tabellenregionen aufrecht zu erhalten. Ein Treffer würde da helfen. Am besten gleich mehrere, dann tun die Gegentore auch nicht so weh.

So, bevor ich an MaLuJeJas 3 Momente abgebe, noch die Wahl Eurer Top5 des letzten Spiels:

Meine Five Stars des Spiels #WOBBSC waren

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Und nun rüber zu MaLuJeJa:

„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“

(mal) Dieses Zitat von Andi Brehme ist mir schon während des Spiels durch den Kopf gegangen und hat es tatsächlich auch auf meinem Zettel geschafft.

Es war die 79. Minute. Luke schickt Cordoba wunderbar in die Tiefe und dieser kommt tatsächlich vor seinen Gegenspieler an den Ball. Nach einer überragenden Verteidigungsleistung der Wolfsburger Hintermannschaft, die selbst den Videobeweis standhielt und Piateks Schuss an den Rücken eines Wolfsburgers hatte sich der Eindruck dann noch einmal verfestigt. Normal schießt Cordoba den schon rein. Das aber Piatek den Ball, den einzigen Abwehrspieler weit und breit, an den Rücken schießt statt ins Tor zeigt einmal mehr wie schwierig unsere Situation ist.

Auf meinem Zettel hatte es der Spruch aber schon in der 58. Minute geschafft. Nachdem Castells erst krakenartig das Querlegen von Zeefuik unterbunden hatte und danach nochmals beherzt zugriff.
Damit sind wir dann auch bei meinem ersten Moment.

Doppelparade Castells

Mein 2ter Moment war ungefähr 5 Sekunden nach Spielbeginn. Ich konnte es nicht genau erkennen, ob es Maxi oder Marton war und über diese Szene wird sicherlich intern, sowie extern noch zu sprechen sein.

Spielaufbaupass von hinten links direkt zum Mittelkreis

Was auch immer Dardai zu diesen Aussagen vor dem Spiel bewogen hat, seine Mannschaft hat sich jedenfalls nicht zu 100% daran gehalten. Waren diese Aussagen versuchte Gegnerverwirrung oder wirklich ernst gemeinte taktische Maßgaben? Sitzt dann der Passgeber im nächsten Spiel auch wie Alderete auf der Bank? Ich denke da haben wir viel zu besprechen in den nächsten Tagen.

Mein 3ter Moment schreibt die 75. Spielminute. An sich eine ganz normale Szene, wie sie in jeden Bundesliga Spiel pro Team bestimmt 2-3 Mal, manchmal auch öfter vorkommt. Matteo Guendouzi schießt einen Freistoß von halb links vors Tor. Das Besondere an dieser Szene ist

Ein Herthaner kommt nach einem Offensivstandard zuerst an den Ball.

Als Herthafan sollte man sich schließlich auch mal über die kleinen Dinge eines Fussballspiels freuen und wenn die lauten, dass ein Freistoß einen Abnehmer findet, ist das hier auch mal erwähnenswert. Das Cordoba dabei im Abseits stand und Luke seine Ablage fasst übers Tribünendach geschossen hat verschweigen wir an dieser Stelle einfach mal.

Wie auch nach den letzten Spielen kann ich nicht einmal sagen, dass Hertha schlecht gespielt hat. Meiner Ansicht nach sind wir einem möglichen Champions League Teilnehmer, in dessen Stadion, mindestens auf Augenhöhe entgegengetreten. Unterm Strich bleiben aber wieder 0 Punkte bei 0 Tore.  So langsam wird der blau weiße Himmel immer dunkler und auch ich sitze heute zum ersten Mal wirklich deprimiert bis verzweifelt hier und schreibe diese Zeilen.

In diesem Sinne, bis zum Sieg gegen Augsburg.

Ha Ho He, euer MaLuJeJa

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