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Saisonnachlese 2025/26

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(opa) Das war sie also, die Spielzeit 2025/26, die von der Vereinsführung selbstbewusst als Aufstiegssaison ausgerufen worden war. Zwar schloss man das erste mal seit Jahren besser als in der Vorsaison ab, das Saisonziel wurde aber klar verfehlt, die letzten Spiele zeigten eine Negativentwicklung und man ließ sich gegen Fastabsteiger Bielefeld am letzten Spieltag desaströs abschießen. Geschäftsführer Görlich wurde zuletzt zwar nicht müde, Kontinuität zu beschwören, es mehren sich jedoch die Stimmen, die angesichts der Entwicklung bzw. Nichtentwicklung Veränderungen fordern, denn Hertha wird es sich kaum leisten können, mit weiter sinkenden Einnahmen gezielt den Wiederaufstieg ins Visier zu nehmen. Man benötigt also eher ein sportliches Wunder, denn das bißchen Pulver, was man hatte, wurde bereits verschossen und was noch da ist, ist so feucht, dass es kaum zündfähig erscheint.

Was den erfolgreichen Menschen vom nichterfolgreichen Menschen trennt, ist neben dem Wiederaufstehen nach Misserfolgen ganz sicher aber die Tatsache, dass man es keinesfalls erneut auf die Art und Weise versucht, wie man gescheitert ist. Der vielbeschworene Berliner Weg, der u.a. daraus bestand, mit eigenen Talenten kostengünstig sportliche erfolgreich zu sein, muss nach der Saison als gescheitert zu den Akten gelegt werden. Es braucht einen Neuanfang, auch und vor allem im Mindset.

Zwar hatte man das Glück, mit Maza und Eichhorn zwei Jahrhunderttalente nacheinander hervorzubringen, das reichte aber sportlich allein nicht, um den für die wirtschaftliche Gesundung erforderlichen Wiederaufstieg zu erreichen. Und vor allem war der Weg nur für die Ausnahmetalente offen, während er für andere wie Lum verschlossen blieb, der es kaum schlechter hätte machen können als die allenfalls durchschnittlich agierenden Sessa und Demme, die aber wie Seguin wohl zu des Übungsleiters Lieblingen zählen, der wohl auch Eichhorn auf der Bank gelassen hätte, wenn nicht Anfang der Saison im defensiven Mittelfeld Not geherrscht hätte.

Nun ist die Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg bisweilen dünn, im Fall unseres Herzensvereins aber meist vorhersehbar. Wenn ein schwaches Management die Defizite eines Trainerteams zum Beispiel nicht auszugleichen weiß, ist dies kein unabwendbares Unglück, sondern eben schlechtes Management. Leitl verrannte sich nicht nur in seinen Personalentscheidungen, sondern eben auch in seinen taktischen Experimenten, wie das letzte Spiel eindrucksvoll zeigte. Wenn man schon 5er Kette spielen lassen will, muss man sie so besetzen, dass die funktioniert. Dafür braucht es schnelle Außenspieler, ein robustes Scharnier in der Mitte und ein funktionierendes Kollektiv.

All das gab es in und gegen Bielefeld nicht. Berner und Eitschberger auf den Außen in der 5er Kette zündeten nicht, das zentrale Dreieck Seguin, Eichhorn und Cuisance funktionierte weder defensiv noch offensiv und Superstar Reese fiel vor allem durch eigensinniges Verhalten auf und stellte vor allem erneut unter Beweis, wie schlecht die Idee ist, den angeblichen Superscorer als Spitze spielen zu lassen. Mag ja sein, dass er hier noch nicht fertig ist, aber für seine bergpredigtartigen Auftritte wird er wohl zukünftig den ICE brauchen, falls er zu Wolfsburg wechseln sollte.

Nun mag man Trainer Leitl zugestehen, dass der Kader etwas unrund zusammengestellt sein mag, wobei doch recht klar die Handschrift zu erkennen ist, dass man ihm “seine” Lieblingsspieler bereitgestellt hat, mit denen er allerdings auch in vergangenen Stationen schon keinen großen Erfolg hatte. Seguin und Reese haben schon früher unter Leitl gespielt, das mag für alle Beteiligten recht komfortabel gewesen sein, genau wie die Connection Leitls zu Zecke Neuendorf, der ihn sogar gegen Ablöse verpflichtete. Aber gerade letztere Connection wäre eigentlich genau wie die Tatsache, dass es im Leistungssport nicht um Komfortzonen geht, ein triftiger Grund, sich vom Übungsleiter zu trennen.

Allein die Tatsache, dass Leitl am erfolglosen Standardtrainer festhielt, wäre ein singulärer Grund, die Zusammenarbeit zu beenden. Die Standards von Hertha sind vor allem gefährlich. Fürs eigene Team wohlgemerkt, nicht für den Gegner, der nicht selten die Unordnung im Umschaltspiel für sich nutzen konnte. Das ist so augenfällig, dass die Worte von Geschäftsführer Görlich jedem Sehenden in den Ohren schmerzen müssen, wenn er von Kontinuität spricht. Man möchte ja niemandem die Lernfähigkeit absprechen, aber weder Leitl, Ebert noch Görlich scheinen hier etwas dazulernen zu wollen.

Welche Rolle der bei seiner Vorstellung vom damaligen Präsidenten Bernstein bereits enteierte Sportdirektor Weber spielt, blieb bislang genauso unklar wie die Aufgaben von Teammanager Allagui, der auf Nachfrage bei sky nicht sagen konnte, womit er sich denn so gegen Entgelt den ganzen Tag beschäftigt. Mag sein, dass es da interne Kräfte gibt, die entsprechende Wirkmacht entfalten, aber die Komfortzone Hertha BSC schafft es bisweilen, einen sprachlos zurückzulassen, zumal man bei anderen Positionen ja mitunter rabiat Personal weggrätscht, wie zuletzt bei Zeugwart Herzog, den man nach Jahrzehnten im Verein für eine Lappalie fristlos vor die Tür setzte.

Insofern entpuppen sich dann auch die im sog. Berliner Weg vielbeschworenen Werte als reine Worthülse, wenn man nicht an Werten orientiert handelt, sondern willkürlich und je nach betroffener Person. Und so verfestigt sich abermals der Eindruck einer neu entspandenen Wagenburg, in der ein Netzwerk von gegenseitigen Abhängigkeiten dafür sorgt, dass sich alle im inneren Kreis am Lagerfeuer wärmen dürfen, während die anderen im Regen stehen müssen. Was man andernorts Zweiklassengesellschaft nennt, muss man auch hier so klar benennen. Man könnte es auch Doppelmoral, Bigotterie oder mit anderen Worten versuchen zu umschreiben, es ändert nichts daran, dass etwas faul ist im Friesenhaus. Und genauso faul ist eben auch das Saisonergebnis und der Saisonabschluss passend ausgefallen.

Diese Entourage des inneren Kreises hat nichts anderes verdient im Gegensatz zu den Fans als diese bittere Klatsche zum Saisonende. Eine Art Abschlussquittung für schlechte Arbeit, für Geldverprassen, für Vetternwirtschaft, für Lernresistenz, für die Schaffung des Gegenteils einer Leistungskultur. All das im Übrigen vor dem Hintergrund, dass man Fans schamlos sehr viel tiefer in die Tasche greift, obwohl es keine adäquate Gegenleistung gibt. Sie wissen um die emotionale Abhängigkeit von Fans, die sich keinen neuen Verein suchen und denen das Abnabeln vom toxischen Partner schwerfällt. Bisweilen bewundert man die, die es geschafft haben, sich mit Enten auf der Bank zu bescheiden.

Fatal ist obendrein, dass derzeit nichts vorhanden ist, was einem Hoffnung machen könnte. Kontinuität ist das ausgerufene Motto. Also weiter

  • mit einem irrlichternden Trainer, der die Mannschaft in den Halbzeitansprachen einzuschläfern scheint.
  • mit überproportional verdienenden Spielern, die unterproportionale Leistungen bringen
  • mit Standards, die angsteinflößend sind für die eigenen Fans
  • mit neuen Schulden
  • mit weiter sinkendem Image
  • mit steigenden Preisen fürs Fandasein
  • mit Phantomdiskussionen über ein eigenes Stadion
  • mit der Wohlfühloase für den inneren Kreis

Dennoch möchte ich nicht in dieser trüben Stimmung abschließen, denn es gab durchaus auch Highlights in dieser Saison. Neben der Entdeckung von Kennet Eichhorn, der voraussichtlich einen neuen deutschen Rekord für die Ablöse eines U18 Spielers in die Kasse spülen wird und der mit diversen Rekorden, schönem Spiel und einem Traumtor in Erinnerung bleiben wird, war es abermals unsere Community auf dem Rettungsboot, die mich vom Ententeich abgehalten hat. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem Sunny, der unermüdlich, zuverlässig und freiwillig Opener um Opener lieferte, der uns über Gegner, Schiedsrichter und die aktuelle Lage vorm Spiel umfassend informierte. Kermit, der (Hertha-)Frosch würde in der Muppet-Show an dieser Stelle “Applaus, Applaus, Applaus” ekstatisch tanzen. Danke auch an die Technik, die uns ebenfalls ehrenamtlich beim Erhalt des Rettungsboots unterstützt und oft im Verborgenen agiert wie Klaus Wennemann im Maschinenraum von U96 (und derzeit bereits fleißig an der Lösung eines Problems tüftelt).

Und mein Dank gilt auch Euch, die dem Ganzen hier erst den eigentlichen Sinn geben. Und obwohl wir im verflixten siebten Jahr auf unserem Rettungsboot unterwegs sind, sind wir noch nirgends auf Grund gelaufen oder gekentert, auch wenn einige über Bord gingen und uns ein schnelles Ende prognostiziert haben. Und wie bei der Muppetshow ist das Publikum mindestens genauso interessant wie die Stars der Show. Wenn uns unser Verein schon nicht jubilieren lässt, machen wir es uns halt selbst schön.

Die nächsten Wochen werden von der WM und von diversen Transfergerüchten geprägt sein. Unser sunny hat sich bereiterklärt, zu den Deutschlandspielen Opener beizusteuern, von daher hoffen wir alle, dass er von Vorrunde bis zum Finalsieg seine Tastatur zum Glühen bringen muss. Für Herthafans, die Spiele zweitligaüblich zur Mittagszeit gewöhnt sind, werden die Anstoßzeiten zwar eine Umstellung, ggf. werden die Ergebnisse aber sehr herthaähnlich ausfallen. Angesichts einiger Personalentscheidungen des Bundestrainers scheint ja auch beim DFB eine gewisse Lernresistenz zu existieren und eine selbstgerechte Wohlfühloase dürfte es dort ja auch geben.

Glücklicherweise haben wir aber 85 Mio. Bundestrainer, einer von denen wird es sicher richten, falls Bundesjule mit seinem Plan scheitern sollte und endet wie Deutschland im ESC, wo man mit einem Castingsternchen antrat, das noch nicht einmal bei seiner Entdeckung erste Wahl war. Aber auch wenn Deutschland nur mit dem zweitbesten und alternden Torhüter antritt, ist man immer für eine Überraschung gut, auch wenn unklar ist, ob diese positiv oder negativ überrascht. Aber nun gilt es, zum Team zu stehen, frei nach dem Motto Kaiser Wilhelms des Zwoten: “Ich kenne keine Vereine mehr, ich kenne nur Deutsche”. Auch wenn diese Worte den Beginn eines der größten Unglücke Europas markieren und man bis zum 3.10.2010 brauchte, um die sich daraus ergebenden Reparationszahlungen abzuschließen, kann man doch zumindest fürs anstehende Turnier Burgfrieden schließen.

HaHoHe und Einigkeit und Recht und Freiheit, Euer Opa

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