Veröffentlicht am Kategorien 2. Bundesliga, 2026, Allgemein, Spieltagsnachlese

Der gezogene Stecker

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(opa) Zwei Siege in Folge sind natürlich noch keine Serie. So befreiend gestern das Tor in der Nachspielzeit auch war, so sehr übertüncht es halt, dass man die Saison keinesfalls als Erfolg werten darf. Wieder mit Rekordetat und wieder mit dem nominal stärksten Kader angetreten, reicht es am Ende nicht, um beim Aufstieg mitzureden. Klar, 8 Punkte Rückstand können rechnerisch noch aufgeholt werden, aber realistisch dürfte das kaum sein und dass man überhaupt in der Situation ist, ist hausgemacht. So groß die Freude über die Siege war, so tief sitzt eben auch die Katerstimmung, weil es nächste Saison wieder heißt, mittags gegen Dorfvereine antreten zu müssen. Und bei dem, was da nächste Saison als Wettbewerber droht, dürfte eine Mission Wiederaufstieg noch einmal erheblich schwieriger werden als in der laufenden.

Das gestrige Spiel war anfangs von einer ziemlich dominant auftretenden Hertha geprägt. Man lief den Gegner früh an, verlagerte das Spiel in seine Hälfte und kaschierte somit die eigene defensive Anfälligkeit, allein das Eckenverhältnis war ein Indikator, wie drückend überlegen Hertha war, auch wenn man aus den vielen Aktionen in der roten Zone viel zu wenig machte. Defensiv anfällig zu sein führt in Kombination mit Offensivschwäche selten zum gewünschten Ergebnis. Die Münsteraner gaben sich aber trotz des eher schmeichelhaften Elfmeters Ende der ersten Halbzeit nicht auf und zeigten, wie man aus wenig Ecken viel machen kann. Wenn wir nur einen Standardtrainer hätten, der das bei uns trainiert. Haben wir? Was macht der dann?

Dass Münster daheim unangenehm zu bespielen ist, hatte man ja auch im Pokal schon sehen können, als man überaus glücklich weiterduselte. Als Fan der Mannschaft aus Westfalen würde ich bei der Erwähnung von Hertha schon leichte Kotzanfälle bekommen, denn weder im Pokal noch gestern war der Spielausgang verdient. Aber so ist Fußball eben und wer wüsste besser als der Herthaner, wie sich das anfühlt, wenn man unglücklich verliert.

Dass die Vorlage zum späten Siegtor vom auffällig guten Lum kam, der zu selten und zu spät eingewechselt wurde, kann langjährig leidende Herthaner nur freuen. Was auch immer Trainer Leitl in Sessa sieht, er sieht es ziemlich allein und es wäre für den Verein besser, so hochtalentierte Jugendspieler spielen zu lassen als einen alten Buddy des Trainers.

Sehr positiv fiel auch erneut Brekalo auf, der das Zeug hat, seine Mitspieler mitzureißen, sich aufzubäumen und signalisiert, dass es sich lohnt zu rennen. Leider wirkt er in dem Team fast wie ein Fremdkörper und findet oft gar keine Anspielstation, weil nicht schnell und konsequent genug nachgerückt wird. Nicht, dass man das nicht trainieren könnte, aber es muss halt am Spieltag auf dem Platz auch jemand “rennerenne” machen.

Statistisch herausragend bleibt auch Kapitän Reese, der zu einer etwas konservativeren Frisur zurückgekehrt ist, aber sonst nicht weiter auffiel, außer sich den Ball zum Elfmeter zu schnappen und einen weiteren Scorerpunkt einzuheimsen. Elfmeterbereinigt hat er in dieser Saison nur 3 Tore in der Liga aus dem Spiel heraus erzielt, was angesichts der Tatsache, dass er anfangs sogar als Mittelstürmer auflief, einfach viel zu wenig ist. Und bei den Scorerpunkten in der Liga legen seine Konkurrenten mit Wanitzek, Lidberg, Källmann & Co. die Latte eben auch nicht allzu hoch.

Was bleibt, ist ein zunehmend lustlos umhertrabender Reese, der nicht zu Unrecht vorzeitig ausgewechselt wurde und ohnehin beim nächsten Spiel gelbgesperrt fehlen wird. Hoffentlich tut ihm die Denkpause gut. Er ist sicher der beste Spieler Herthas, aber er muss das eben auch zeigen und seine Qualitäten abrufen. In der Form wird er eher ein zweiter Ronny als dass uns die Interessenten die Bude einrennen werden.

Apropos Elfmeter, der von Cuisance theatralisch herausgeholt wurde, als hätte es eine Attentat auf ihn gegeben, dabei war es eher eine kleine Berührung. Nach ewig langem Funkverkehr entschloss sich der Schiri dann doch noch, sich die Situation selbst anzuschauen, nur, dass er nichts zu sehen bekam. Die Münsteraner Fans hatten dem VAR Terminal tatsächlich den Stecker gezogen und so blieb es beim Hörspiel und der Entscheidung der Videoschiedsrichterin, dass auf Strafstoß zu entscheiden war. Die glich damit zwar ihre Fehlentscheidung aus, die sie im letzten von ihr beaufsichtigten Spiel davor gegen uns gab, als sie Reeses Tor aberkannte, aber erneut zeigte der VAR seine bizarre Seite.

Diesmal eben Videobeweis ohne Bilder. Der Feldschiedsrichter als Exekutive der Technik. Da stellt sich schon die Frage, wozu dann überhaupt noch Schiedsrichter auf dem Platz? Demnächst dann Schiris vom Homeoffice aus? Aber uns wurde ja versprochen, dass der VAR die Sportart nicht ändert. Man darf gespannt sein, wann das eintreten soll. Bislang wird es von Saison zu Saison absurder, was sich die Regelhüter von IFAB, FIFA, UEFA und DFB ausdenken.

Und nun dreht auch das Sportgericht frei, die demnächst von der Verwandlung eines nach Notbremse gegebenen Elfmeters von dessen Ausgang abhängig machen wollen, wie lange der betroffene Spieler gesperrt werden soll. Dass die Gefahr besteht, den Ball extra reinzulassen, damit der Mitspieler nicht so lange gesperrt wird, ist real. Das ist nichts weiter als Spielmanipulation durch das DFB Schiedsgericht und man kann nur allen Beteiligten empfehlen, dringend mal das Fenster auf Kipp zu machen und etwas Frühlingsluft hineinzulassen.

Sonst werden eines Tages die Fans ihrer Lieblingssportart den Stecker ziehen.

HaHoHe, Euer Opa

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