(opa) Was ist das Fazit eines durchaus überzeugenden Sieges gegen Elversberg und einer denkwürdigen Pokalschlacht, die trotz Niederlage statistisch unentschieden gewertet werden wird wie jedes durch Elfmeterschießen entschiedene KO Spiel? Unbestritten dürfte sein, dass dieses Team das Potential hat, das ausgegebene Ligasaisonziel an und für sich locker zu erreichen. Spielt man konsequent und konzentriert, reicht es ja immerhin wie Dienstag sogar, einen Erstligisten an den Rand einer Niederlage zu zwingen. Hertha ist nicht nur in Sachen Ausgaben Ligaspitze, sondern eben auch in der sportlichen Qualität.
Und dennoch reicht es derzeit nicht, den Rückstand in der Liga aufzuholen, auch, weil man wichtige Big Points gegen Gelsenkirchen und Darmstadt hat liegen lassen. Allein mit den liegengelassenen 4 Punkten aus diesen zwei Spielen wäre man oben ganz dicht dran. Nun wissen alle, dass Fußball nicht im Konjunktiv stattfindet, daher hilft nur eine Siegesserie wie in der Hinrunde und vor allem die Verwandlung von Satzbällen wie jetzt am Samstag gegen Hannover, deren Vorsprung man aus eigener Kraft auf einen mickrigen Punkt eindampfen kann. Wenn man den Ansprüchen genügen will, muss aus solchen Spielen ein Sieg her. Der muss nicht einmal schön sein.
Schön war in den letzten Spielen übrigens zu beobachten, wie das Team die Verletzungen, vor allem die von Hoffnungsträger Eichhorn zu kompensieren begonnen hat. Klemens und Seguin haben gegen Elversberg über weite Strecken das Scharnier wieder zum funktionieren gebracht. Dass durch den Ausfall von Zeefuik Trainer Leitl gegen Freiburg auf die Dreierkette zurückgegriffen hat, hat von dem einen Fehler abgesehen nicht zur Destabilisierung der Defensive beigetragen und gleichzeitig Überlegenheit in die gegnerische Hälfte verlegt. Ob das in der Liga eine Methode ist, wird sich noch zeigen. Immerhin kann man mit dem Last-Minute-Transfer Brekalo auch im Mittelfeld nochmal ordnend einen Scheit nachlegen, wenngleich Trainer Leitl immer recht spät wechselt.
Spielentscheidend gestern war ein unglücklicher Pass von Leistner, der Gechter erst in Verlegenheit und dann dazu brachte, das Freiburger Gegentor aufzulegen. Eine weitere Ursache dieses Fehlers war zudem das offensichtlich bestehende Verbot, sich mit langen Bällen Luft zu verschaffen. So was kommt von so was und Gechter war da eher ärmste Sau als Fehlerverursacher. Das gleiche gilt für Klemens und seinen verschossenen Elfmeter. Mit so einer Blamage mussten auch schon ganz große leben, sei es nun Uli Hoeness, der es immerhin zum passablen Manager brachte oder Uli Stielicke, der es zu modisch fragwürdigen Outfits und zum Bundestrainer brachte. Also Kopf hoch, solche Ereignisse formen Persönlichkeiten.
Überhaupt war die gestrige Niederlage eine der Marke “erhobenen Hauptes verloren”. Niemand konnte diesem Team am Ende böse sein, es hat konzentriert und engagiert gekämpft und sich mit dem Ausgleich in der Verlängerung auch berechtigterweise mit dem Einzug ins Elfmeterschießen belohnt. Hätte dieses Team öfter so gekämpft, würde Hertha wohl auf Platz 1 der Tabelle stehen und die Interessenten für unsere Spieler würden Schlange stehen. Aber Fußball und Konjunktiv hatten wir ja vorhin schon mal. Selbst die oft als zu spät kritisierten Wechsel passten gestern, zumal es ja auch darum ging, Belastungssteuerung fürs Ligaspiel am Samstag hinzubekommen.
Ja sogar ein Standard klappte fast, wäre da nicht der VAR gewesen, der Reeses Traumtor zurückpfiff, weil einer der Herthaner im Abseits gestanden und damit aktiv ins Spielgeschehen eingegriffen haben soll. Was nicht nur mit blauweißer Brille unglaublicher Blödsinn ist, ist genau das eines der Beispiele, weshalb der VAR unter Fußballfans so verhasst ist. Die ersten haben sicher vor Freude schon den Fernseher von der Wand gerissen und mussten dann erfahren, dass es sich gelohnt hätte, damit auf die Entscheidung des Kölner Kellers zu warten und dann einen Grund zu haben, das Ding vor Wut aus der Verankerung zu reißen. Der VAR gehört abgeschafft, genau wie die völlig willkürliche Regelauslegung durch die Schiris, die für taktische Fouls mal gelb, mal rot und mal gar nichts geben. Würfeln wäre da ähnlich präzise. Und vermutlich gerechter.
Ein Spitzenteam wie Hertha hat eben auch ein Spitzenumfeld verdient, nicht nur was die Schiris angeht, sondern auch bei den Zuschauern. Dass der regierende Bürgermeister es nicht für nötig hielt, bei diesem Spiel anwesend zu sein, lässt nach dem Faux Pas um sein Tennismatch mit seiner Untergebenen Senatorin tief blicken, dass dieser Mann keinerlei Gespür für die großen Momente hat. Während Berlin vom Mantel der Geschichte gestriffen wird, muss er den Kopf frei kriegen. Im Herbst sind Wahlen in Berlin und die Liste der Kandidaten, die man nicht wählen kann, wird von Woche zu Woche länger. Genau wie die Gesichter derjenigen, die immer noch glauben, Hertha könne Stadion. Da hilft auch kein trotziges Transparent im Stadion. Das Thema ist durch.
Zumal man ja immer noch von Olympia 36 träumt. Falls Deutschland, aber nicht Berlin den Zuschlag erhält, könnte man aber auch über einen Rundumschlag auf dem Reichssportfeld und ein Gesamtkonzept der Berliner Sportstättenpolitik nachdenken. Leichtathletik in den Jahnsportpark (mit Laufbahn), fürs Oly müsste man sich dann nicht zwingend an die Laufbahn ketten. Wobei auch hier zu berücksichtigen ist, dass das jetzige Oly ja nicht nur die höchste FIFA Kategorie hat, sondern bis 2030 ja auch den DFB Pokal, was größere Umbauten quasi verbietet. Wir werden wohl noch sehr lange im Oly spielen müssen. Mit all seinen Schrulligkeiten. Wir sind ja auch nur für die zweite Liga ein Spitzenteam.
Jetzt gilt’s also. Nicht nur auf dem Rasen, wo Trainer Leitl und sein Team gefragt ist, die sportlichen Voraussetzungen zu schaffen, sondern auf der Geschäftsstelle auch die Rechner rauchen dürften, weil dieser Tage die Lizenzunterlagen bei der DFL einzureichen sind. Bekanntermaßen ist das kein Selbstläufer angesichts der desolaten Finanzlage. Angesichts des Verhaltens vieler Mitglieder auf den Mitgliederversammlungen findet das aber nach dem Motto “Stell Dir vor, Hertha spricht über die Finanzen und keinen interessiert’s” statt. Dabei gibt’s weder Freigetränk noch die gratis Erbsensuppe, die zudem meist transparenter war als der Dickicht der Herthafinanzen unter Huschens Vorgängern.
Spitzenteams brauchen also weder Spitzenstadien noch Spitzenpolitiker noch Spitzenfinanzen, das ist eben Fußball, wo ein Team, eine Mannschaft mit dem entsprchenden Spirit sehr viel mehr erreichen kann als die Summe der individuellen Könner es hergibt. Man denke an die Dänen bei ihrem epochalen Triumph, als sie die EM gewannen, obwohl sie schon im Urlaub waren. Fußball kann so schön sein, Fußball kann so viele Märchen wahr werden lassen. Zumindest, wenn nicht so etwas ätzendes wie der VAR herumpfuscht.
HaHoHe, Euer Opa