Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2021, Allgemein, Spieltag, Transfers

Tagesform Waterloo

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(opa) Einige hatten sich beim Vorgänger von Trainer Korkhut über dessen Verweis auf die Tagesform mokiert und beim Nachfolger sofort dessen Einfluss und Handschrift erkannt. Nach gestern darf dieser Bewertungsmaßstab durchaus auf den Prüfstand gestellt werden. Mainz brauchte weder großartige Finesse noch exzellente Einzelkünstler, um Hertha weiter Richtung Abstiegsplätze zu drängen. Einzig etwas aktives Pressing reichte in Kombination mit offensichtlich schlechter Tagesform einiger Herthaner, die gedanklich bereits im Weihnachtsurlaub schienen, um den Gästen aus der Hauptstadt 4 Tore einzuschenken. Karneval in Mainz (jaja, Fastnacht, ist mir als Berliner aber egal), Tristesse in der Hauptstadt.

Dass die zuletzt in guter Form befindlichen Serdar oder Jovetic ausgewechselt werden mussten, war sicherlich nicht hilfreich, aber als alleinige Erklärung deutlich zu unterkomplex. Dass als nächster Gegner der BVB kommt, sorgt obendrein für wenig Hoffnung auf zeitnahe Verbesserung. Lediglich am kleinen Feuerchen, dass es immer noch schlechtere Teams in der Liga gibt, spendet ein wenig Restwärme, die jedoch überwiegend aus der Asche der bereits verbrannten 374 Mio. € ihre letzten Reste ausglimmt. Hertha ist 2021 in kaum einer anderen Situation als vor dem großen Mittelzufluss.

Dass im Winter nun großflächig nachgerüstet werden soll, ist durchaus ein Indiz dafür, dass man im Sommer bei der Kaderplanung dann doch nicht so ganz richtig lag. Bobic entschuldigte sich zwar für den 22 % Transfer-“scheiß-Balken”, sagte ansonsten zur Kaderplanung: “Wir sind sehr zufrieden mit unseren Transfers. Wir haben mit voller Überzeugung genau das gemacht, was wir machen wollten”. Legt man diese Aussage über den gestrigen Auftritt, fühlt sich das an wie am Morgen nach einem Gelage, wo sich pochender Schmerz im Bereich von Stirn, Augen und Schläfe ausbreitet und mit allgemeiner Übelkeit einhergeht.

Für Herthas Suche nach einem “großen Trainer” sind Auftritte wie gestern und das Abrutschen in die Abstiegszone sicher nicht behilflich. Wer will sich als namhafter Trainer schon die Reputation ruinieren, indem er hier den Schleudersitz bei einem potentiellen Zweitligisten übernimmt? Da müssen sich dann schon anderweitig eine ganze Reihe anderer Alternativen zerstreut und den Leidensdruck erhöht haben, bis man hier andockt. Die Mission des Managements bei Hertha ist und bleibt also weiter, den Verein aus der hausgemachten Krise herauszumanövrieren.

Doch noch ist die Flinte nicht im Korn und ein paar gute Spiele am Stück können in der engen Liga auch durchaus schnell einen trockenen Scheit der Hoffnung und Zuversicht in die Restglut legen, der dann recht schnell anbrennt. Vor Weihnachten dürfte das aber nur möglich sein, wenn ein Wunder geschieht. Und wofür sollte Weihnachten sonst gut sein, als dass man diese Hoffnung verbreitet, dass zu einem neugeborenen Knaben weitgehend mittelloser Eltern drei Weise aus dem Morgenland einem Stern folgen und neben Gold auch Myrrhe und Weihrauch bringen?

Unglücklich halt, wenn dieser Stern aus einem Altstar besteht, der wenige Minuten nach seiner Einwechslung schon pumpt, als hätte er den Jacobsweg im Joggingtempo hinter sich gebracht und nach einem 4:0 Debakel “”Aber das ist nicht schlimm. Wir haben zwei gute Spiele gehabt, das heute kann mal passieren. Es war nicht unser Tag” in die Kameras diktiert als habe es nicht im Laufe der Woche wenig schmeichelhafte Aussagen von Mannschaftskameraden gegeben, wie schön es sei, doch endlich Fußball spielen zu dürfen.

Advent, Advent, die Hertha brennt. Auch zwei Jahre nach der Übernahme des Rettungsboots in die Eigenverwaltung kehrt in diesen Verein weder Ruhe noch Behaglichkeit ein. Es soll uns offensichtlich nicht vergönnt sein. Doch Matthäus gibt uns Hoffnung. Nicht Lothar, sondern der Evangelist. Denn der zitiert den an Weihnachten geborenen Jesus, der in Matthäus 19, 21 offensichtlich seinerzeit die Existenz Herthas vorhergeahnt hat: “Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen” Der Besitz ist längst verteilt (ob an die Armen, sei mal dahingestellt, aber sicher gibt es immer noch Fußballspieler ohne Yacht). Uns blüht also eine wunderbare und vollkommene Zukunft und so hat eben auch eine 4:0 Klatsche ihr Gutes, symbolisiert sie doch die totale Bedürfnislosigkeit, die der wahre Weg zum Glück ist.

Ha Ho He, Hosianne in der Höh! Euer Opa

Meine TOP 5 Stars von #M05BSC waren

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