Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2022, Allgemein, Spieltag, Transfers

Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln

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(opa) Was war das für ein Wechselbad am Freitag Abend in Mainz? Als Tousart den absolut verdienten Führungstreffer erzielte, ballten wir wohl alle die Fäuste, jubelten und klatschten mit unserem Nachbarn ab. Endlich ein Tor aus dem Spiel heraus, endlich die spielerische Dominanz in ein Ergebnis umgesetzt, so schien es. Doch der Fußballgott führte mal wieder Regie und hatte anderes im Sinn. Die zweite Halbzeit geriet nicht nur in ein übles Gebolze auf beiden Seiten, sie machte auch personelle Wechsel erforderlich, die die fragile Statik des Teams noch nicht aufzufangen weiß und es ist fraglich, ob sie das überhaupt kann.

Kempf verletzte sich bei einem Zweikampf kurz nach dem Wideranpfiff und wurde durch Dardai ersetzt, der lächerlicherweise gelb-rot gefährdete Plattenhardt musste nur wenige Minuten später runter, stattdessen kam der robust auftretende Maxi Mittelstädt. Boetius und Lukebakio mussten Mitte der zweiten Halbzeit Richter und Darida Platz machen und spätestens die Einwechslung von Pekarik für Ejuke war dann wohl der Offenbarungseid, dass einem nicht mehr viel einfiel als sich hinten reinzustellen, um irgendwie mit aller Gewalt das 0:1 über die Zeit zu retten. Dass das im modernen Fußball aber nur noch selten funktioniert, schien bei der Entscheidung offensichtlich keine Rolle gespielt zu haben. Oder war das der Wink des Trainers Richtung Kaderplaner, die Notwendigekeit in Sachen Nachbesserung zu verdeutlichen?

Und so kam es, wie es kommen musste, in der letzten Minute der Nachspielzeit drischt Mainz mit aller Gewalt das Ding ins Netz von Christensen. Fast alle Herthaner fallen platt auf den Boden und scheinen völlig am Ende ihrer Kräfte zu sein. Nur zur Erinnerung: Es ist gerade einmal Spieltag 7 und schon wieder macht die Mannschaft den Eindruck, sie sei nicht fit für 90 Minuten. Die mangelnde Fitness könnte übrigens auch die Erklärung dafür sein, weshalb man keine spielerischen Mittel mehr fand, die Mainzer durch eigene Dominanz vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Dass Fitness auch während der Saison nachtrainierbar ist, hat der Retter der letzten Saison nachhaltig bewiesen und plötzlich liefen Spieler zu Formen auf, die völlig ungewohnt waren.

Doch allein die mangelnde Fitness erklärt nicht, weshalb Hertha nicht in die Gänge kommt. 6 Punkte aus 7 Spielen klingt schlechter als sich das anfühlt, was auf dem Platz zu sehen ist. Ein weiterer Aspekt neben der Fitness ist die Chancenverwertung. Zwar hält man sich oft genug in oder an der roten Zone auf und kommt auch durchaus zu Abschlüssen, doch zu selten ist das zwingend oder gefährlich, die Tabelle mag zum jetzigen Zeitpunkt lügen, die Statistik in Sachen Torchancen lügt aber nicht und zeigt, dass das Ergebnis dafür, dass man mit 3 Stürmern spielt, viel zu dünn ist und könnte darauf hindeuten, dass man dann entweder doch nicht die erforderliche Qualität eingekauft hat oder für die eingekaufte Qualität nicht das passende Spielsystem findet.

Darüber hinaus muss man aufpassen, dass solche Nackenschläge wie in der Nachspielzeit am Freitag nicht irgendwann auch auf die Motivation des Teams gehen. Wer permanent Höchstleistung abrufen soll, braucht Motivation, die u.a. auch durch Erfolgserlebnisse entsteht. Scheitert man ständig am eigenen Tun, wird das unbewusst den einen oder anderen Spieler im entscheidenden Moment einschränken, dass er den Sprint dann doch nicht so durchzieht oder den Gegner dann doch nicht so anläuft oder den Laufweg dann doch nicht so zustellt wie er es könnte. Daraus könnte sich eine fatale Abwärtsspirale ergeben, die man als Herthaner zwar irgendwie gewohnt ist, aber die man dennoch nicht unbedingt noch einmal erleben mag.

Die Länderspielpause kann Chance sein, sich neu zu justieren, die lädierten Knochen etwas zu schonen und Fitness nachzutrainieren. Sie kann aber auch die Gefahr bergen, dass sich negative Erlebnisse verstärken und dass die Mannschaft gegen das laufintensive und anstrengende System von Trainer Schwarz zu opponieren beginnt. Mit Hoffenheim, Freiburg und Leipzig kommen zudem nach der Länderspielpause 3 Mannschaften, die jede auf ihre Art und Weise eine harte Nuss sein wird und bei denen Ergebnissteigerungen nicht zwingend erwartet werden können. Man begeht also nicht zwingend einen Fehler sich darauf einzustellen, dass Hertha nach Spieltag 10 noch tiefer unten drin steht.

Wem diese Gedanken zu düster sind, der mag sich an seiner eigenen perspektive erhellen, dass man zum Saisonende bei 50 Punkten steht und an den internationalen Rängen klopft. In dieser Saison ist (wie in jeder anderen) zumindest theoretisch noch alles drin. Auch ein Bundesligameister aus Berlin, auch wenn der vermutlich nicht unsere Farben tragen dürfte. Doch dieser Gedanke ist selbst mir zu trüb für den herbstlichen Montagmorgen. Daher kommt gut in die Woche, genießt die Pause, bleibt blauweiß und bleibt gesund

HaHoHe, Euer Opa

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