Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2022, Allgemein, Spieltag

Wat denn nu?

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(opa) Ja, was war das am Samstag denn nun? Klassenerhalt rechnerisch schon in trockenen Tüchern oder muss die blauweiße Fangemeinde noch ernsthaft zittern? Im Grunde genommen müsste man das schon wieder als Schrödingers Experiment betrachten. So lange wir nicht in den Karton gucken, ist Hertha noch nicht abgestiegen. Aber eben auch nicht safe. Fußball kann manchmal grausam und schön zugleich sein. Ein bitteres Unentschieden in der Nachspielzeit führt trotzdem zu einem wichtigen Punkt, der eventuell schon zum Klassenerhalt gereicht haben könnte. Am vorletzten Spieltag haben wir bereits Matchball bei eigenem Aufschlag. Drei weitere Punkte gegen die Mainzelmännchen bedeuten den sicheren Klassenerhalt.

Bedenkt man, dass Trainer Magath eine desolate Truppe übernommen hatte, die im laufenden Kalenderjahr keinen einzigen Sieg und nur ein paar mickrige Pünktchen einfahren konnte und bedenkt man, dass nicht nur ich die Verpflichtung des schon ein paar Jahre aus dem Trainergeschäft ausgeschiedenen und nicht unumstrittenen Trainers eher als Verzweiflungstat denn als echten Lösungsansatz eingeschätzt haben, wird klar, was für einen Impact die Orchestrierung durch Felix Magath auf die Statik des Gefüges hat. Sollte er seine Mission erfüllen, war jeder Cent der ausgelobten Prämie gut angelegt.

Daraus den Rückschluss zu ziehen, über ein längeres Engagement nachzudenken, wirft aber wenigstens mal Fragen auf, mit welchem Konzept Hertha eigentlich geführt wird und an welchen Leitlinien man sich orientiert. Auf Sicht fahren und im Zweifel Trainer heuern und feuern ist ein “No Brainer”, wie man es im Businessdeutsch ausdrücken würde. Dafür braucht man weder einen Manager, der 3,5 Mio. € verdient noch seinen Stab an Beratern, Chefscouts, Chefkaderplaner und was sonst noch angestellt und ausgetauscht wurde. Gleiches gilt übrigens für jede Form von Kopie von Personalentscheidungen, wie man sie beim Vorgängerclub des Managers getroffen hat. Wenn hier Kovac oder Hütter aufschlagen, hätte es der Verpflichtung von Bobic nicht bedurft.

Es muss bei aller vorsichtigen Euphorie der letzten Wochen, in denen nach dem verlorenen Derby ganze 7 Punkte aus 3 Spielen erreicht wurden, eben auch glasklar sein, dass diese Saison völlig unabhängig vom Ausgang nicht als Erfolg gewertet werden kann und als desaströs bezeichnet werden muss. Eine mit “merkwürdig” noch schmeichelnd betitelte Kaderplanung wurde kombiniert mit einer selbstgerechten Kommunikation, dazu alarmierendes “brain drain” im Management und als regelrecht katastrophal zu bezeichnende Investor Relations, dazu weiterhin beinahe kindlich-bockige Forderungen nach einem eigenen Stadion, ohne etwas selbst zur Lösung beizutragen, all das verquast sich zu einem schwer verdaubaren Mix, was nicht einmal bei großzügigster Verteilung von Freikarten bei bestem Wetter und einer kleinen Erfolgsserie für ein ausverkauftes Haus sorgt. Vermutlich würde nicht einmal bei Freibier das Stadion (zumindest hinsichtlich der Zuschauerplätze) vollzubekommen sein.

Der erfahrene Herthaner weiß, mit welchen Mitteln auf der nächsten Mitgliederversammlung die Stimmung dazu genutzt werden soll, damit diese Sichtweise dann doch keine Konsequenzen für diejenigen hat, die den Verein seit mehr als einem Jahrzehnt von einem Daueraspiranten fürs internationale Geschäft zu einem Dauerabstiegskandidaten, zu zwei Abstiegen und gefühlt drölf Beinaheabstiegen geführt und dabei so enorm verschuldet haben, dass nur ein umgekehrter Enkeltrick die Pleitegeier zumindest vorübergehend in der Luft gehalten hat.

Man wird die Erfolge der Jugendmannschaften feiern, Herthaner für langjährige Treue auszeichnen, einen Zaubertransfer verkünden, vielleicht einen klangvollen Namen als Trainer präsentieren, man wird versprechen, dass nun aber wirklich bald das Museum eröffnet (ganz, ganz bald – noch “bälder” dürfte der Dampfer fertig werden, auch wenn weder Genehmigung noch Liegeplatz vorhanden sein werden), das Fanhaus quasi schon fertig ist und allerlei Gründe finden, warum es unter diesen Rahmenbedingungen, die nur für Hertha so ganz speziell waren wie für keinen anderen Verein, warum man auf gar keinen Fall mehr hätte erreichen können und warum man wieder trotz Rosskur den Verlustvortragsberg hat ansteigen lassen. Und es ist dabei auch wenig liebgewonnene Tradition, dass sich am Ende genügend finden, die ein “weiter so” legitimieren werden ohne zu verstehen, dass dem Verein mit diesem weiter so bei keiner einzigen Aufgabenstellung für die Zukunft weitergeholfen sein wird.

“Wir sind so wie wir sind” werden die 3 Travellers aus den Lautsprechern spielen und damit nicht nur eine Zustandsbeschreibung, sondern auch eine Erklärung dafür liefern, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass aus Hertha plötzlich ein Musterclub wird. Jetzt wern’ wa Meista!

HaHoHe, Euer Opa

Meine TOP 5 Stars von #DSCBSC waren...

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