Veröffentlicht am Kategorien 1. Bundesliga, 2022, Allgemein, Spieltag

Schrödingers Hertha

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(opa) Auch wenn nicht alle von uns heute die Auferstehung unseres Herrn feiern, dürfte der kleinste gemeinsame Nenner sein, dass wir uns wohl alle über die Wiederauferstehung der alten Dame freuen. Gestern, am Karsamstag, an dem dankenswerterweise hier niemand frohe Ostern gewünscht hat, befand sich ja Jesus in einem Zustand zwischen Tod und Wiederauferstehung und somit sehr nah an dem Experiment des österreichischen Physiknobelpreisträgers Schrödinger, nur, dass dieser eine Katze zu Hilfe nahm. Und wir nehmen die Hertha als Experimentalobjekt.

So erfreulich der gestrige Sieg auch war, herausgekämpft durch eine enorme Leistungssteigerung einiger Akteure und erzwungen durch ein sehenswertes Tor mit der Hacke durch die Beine eines Ex-Union Torhüters und das gegen wirklich nicht als Sympathieträger auftretende bayerische Schwaben, so unsicher bleibt halt die Frage nach dem Abstiegskampf, die man eben auch wie Schrödinger betrachten kann. So lange man nicht hinguckt, ist man noch nicht abgestiegen. Aber sicher ist das eben nicht. Und da Schrödinger Quantenphysiker war, darf beim gestrigen Quantensprung erwähnt werden, dass ein Quantum die kleinste Einheit ist, mit der in der Physik gerechnet wird. Auch das passt zu unserem Gedankenexperiment. Ein kleiner Schritt für das Quantum war gestern ein großer Schritt für die alte Dame.

Schwenken wir also hoffnungsfroh zum alten “Joethe”, der bekanntermaßen Berliner gewesen sein muss, schließlich hinterließ er im Faust die Frage “Wer ruft mir?” – so etwas schreibt weder ein Hesse noch ein Sachse.

Vom Eise befreit sind der Hauptstadt Bäche,
durch des Boatengs holden, belebenden Blick,
Im Tabellenkeller bläuet Hoffnungsglück;
Der alte Micha, in seiner Schwäche
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer galligen Kruses
In Streifen über die blauweiße Flur.
Aber der Sonnenkönig duldet kein’ Windhorst,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Hauptstadtrevier.
Sie nimmt blauweiße Menschen dafür.

Bobic muss sich dieser Tage wie der Zauberlehrling vorkommen, der die Geister nicht zu beherrschen weiß, die er rief. Nur, dass es bei Hertha keinen alten Meister zu geben scheint, der den Besen wieder in die Ecke kriegt, denn wohl kaum jemand wünscht sich Preetz zurück, der ja eine noch viel unglücklichere Rolle spielte. Mich deucht, man kommt auch literarisch nicht weiter, will man das Mysterium der alten Dame entschlüsseln.

Bleibt also nur, das Erlebte zu genießen. Das Sahnetor Serdars, was zum Knockout der Augsburger führte und Davie Selke jubeln ließ, als hätte er etwas damit zu tun gehabt. Mangelnden Einsatz konnte man dem “Stürmer” nicht vorwerfen, aber er war wie so oft nicht da, als es darauf ankam und als er selbst die Chance hatte, die Führung auszubauen, ging der Ball weit am Kasten der Fuggerstädter vorbei. Wenn die Moskva nicht bereits gesunken wäre, hätte man eventuell einen Zusammenhang herstellen können. Grau ist alle Theorie.

Wahrscheinlich weiß auch Magath nicht einmal, wie es das Team geschafft hat, diese drei Punkte zu sichern. Es war dieser eine Moment, der dafür sorgte, dass man sich fortan aufs Verhindern fremder Torchancen konzentrieren konnte, was nicht immer gelang, aber der Fußballgott war uns gnädig. Unklar, ob er wirklich die frohe Botschaft verkünden oder das Leiden nur verlängern wollte. Genieße den Augenblick, Herthaner!

Und so schließe ich mit 8:18 der Römerbriefe:

Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

HaHoHe, Euer Opa

P.S.: Unsere TOP 5 Stars wählen wir heute natürlich.

Meine TOP 5 Stars von #FCABSC

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