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Der treue Casanova?

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(opa) Zwei Namen sind schon fix. Mit Schuler in der Offensive und Sessa im zentralen Mittelfeld verstärken zwei Zugänge unseren Verein, die von der Regalhöhe schon nah am erwartbaren Maximum liegen dürften. Nach dem satten Prassen kommt wie im richtigen Leben nicht selten dünne Wassersuppe. Statt dem Versprechen vom glamourösen Big City Club nun also eher grautrüber Provinzalltag. Und so darf auch kaum erwartet werden, dass der neue Trainer nun vom ersten Moment an Zauberstaub in der Luft wirft. Nach Medienberichten soll Hertha sich mit Cristian Ramon Fiél Casanova einig sein, dessen Name so ausgeschrieben tatsächlich etwas von La Liga hat und weniger daran erinnert, dass seine bisherigen Stationen hinsichtlich der sportlichen Ausbeute eher übersichtlich einzuschätzen waren.

Wobei das auch ein Vorteil sein kann, denn etwas Kalibration in Sachen expectation management kann nicht schaden angesichts der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen, die unseren Verein plagen. So wie Pal Dardai am Mythos der angeblichen Unabsteigbarkeit scheitern musste wie Stefan Raab beim zweiten Versuch, mit Lena und einem selbstkomponierten Song den ESC Titel zu verteidigen, so hilft es einem Trainer, wenn mit ihm nicht allzu hohe Erwartungen verbunden sind. Wobei es für diese Erwartungshaltung leider keinen empirisch orientierten Maßstab gibt und auch Trainervorgänger wie Nouri, Covic oder Korkut es schafften, unterhalb der ohnehin bereits auf dem Boden liegenden Erwartungsstange Limbo drunterdurchzutanzen.

Fiél bedeutet im spanischen übrigens “treu”, was angesichts des Nachnamens Casanova dann doch wie ein Widerspruch in sich klingt. Ein treuer Casanova könnte andererseits aber auch zu einer alten Dame passen, die sich selbst als sexyer sieht als sie von Außenstehenden eingeschätzt werden dürfte. Die großen Namen der Trainergilde reißen sich derzeit ohnehin gerade nicht um einen Job auf dem Schenckendorffplatz und wer sich an die Geschichte von Sebastian Hoeneß erinnert, der vor seinem erfolgreichen Wirken in Stuttgart anderswo auch nicht überzeugen konnte, sollte die Hoffnung nicht fahren lassen, dass sich eines Tages so eine Geschichte auch bei Hertha ereignen könnte.

Dass man mit “nobodys” auf und neben dem Platz sehr erfolgreich sein kann, zeigen die Aufsteiger der letzten Jahre, die nicht zwingend zum engsten Favoritenkreis gehörten, während der HSV Jahr für Jahr und mit klangvollen an dieser Bürde scheitert. Sehr zum Amüsement nicht weniger Fans anderer Vereine. Wäre da nicht der riesige Schuldenberg, wäre ein Aufenthalt in Liga zwei durchaus gar nicht so unattraktiv. Die Namen der Gegner sind klangvoller als die diverser Werksclubs wie Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig, die sich an den Futtertrögen der ersten Liga festgebissen haben.

Dass man im Unterbau nach einem kicker Artikel von gestern auf das Motto “Kontinuität, aber ohne Dardai” setzt, scheint darauf hinzudeuten, dass man da wirklich so etwas wie ein Konzept zu haben scheint. Ob es langfristig aufgeht, dürfte vor allem davon abhängen, ob Hertha die Lizenz als Existenzgrundlage behalten wird. Die kommende Saison scheint trotz drohender Insolvenz des Investors gerettet, selbst ein Hauptsponsor soll gefunden sein, wobei bestätigt ist der genauso wenig wie der neue Trainer. Auffällig viele undichte Stellen, aus denen mal wieder Interna nach außen dringen, etwas, was schon Manager Bobic beklagte, bevor er den Verein (wohl erfolgreich und absehbar) verklagte.

Bleibt die Frage, ob der Aufstieg wirklich “alternativlos” ist oder ob es gelingt, Alternativen aufzutun. Immerhin ist der Geschäftsführer nicht mehr zuständig für die Finanzen, auch wenn unklar ist, wofür er dann zuständig ist. Ist er mit demselben Arbeitsvertrag ausgestattet wie Bobic, kann er zuversichtlicher in die Zukunft schauen als manch Fan der alten Dame beim Gedanken an die Finanzen des Vereins. 40 Mio. € Anleihe müssen refinanziert werden und diese Einigung muss bereits während der laufenden Saison erreicht werden, um die benötigte Lizenz für die Folgespielzeit zu erhalten. Das ist mehr als der gesamte Kader kosten wird.

Wobei die Kosten für diesen Kader durchaus geringer ausfallen könnten, wenn man denn die Leihspieler los wird wie Suat Serdar, dessen Verein die Kaufoption zog. Kanga, Maolida und Nsona sind aber noch auf der Payroll und müssen da dringend herunter, genau wie einige andere Spieler, sofern man nicht einen zweiten Mannschaftsbus anschaffen möchte. Hertha hatte in der abgelaufenen Spielzeit mit den größten Kader der zweiten Liga, was nicht nur an der Integration junger Spieler lag. Zur bitteren Wahrheit dürfte auch gehören, dass bei entsprechendem Angebot Fabian Reese weg sein wird. So sympathisch der Fanliebling und Motor der Mannschaft auch sein mag, so brutal wirkt die normative Kraft des Faktischen. Niemand ist unersetzbar.

Wobei gerade letzteres nicht stimmt, zumindest nicht, wenn es um unser Rettungsboot geht. Seit knapp fünf Jahren stand uns @therocket im Maschinenraum unermüdlich zur Seite. Dieser hat sich zum Saisonende zumindest in dieser Funktion in den verdienten Ruhestand verabschiedet und er wird an allen Ecken und Enden fehlen, menschlich sowieso, aber auch mit seinem Einsatz, sei es nun die obligatorischen Updates, Abwehr von Hackerangriffen oder das Umsetzen von technischen Anpassungen. All das wird in Zukunft von den verbliebenen Mitgliedern des Maschinenraums substituiert werden müssen. Ob uns das gelingt, wissen wir noch nicht, ihr erinnert Euch vielleicht an die Umfrage neulich, in der etwaige Veränderungen ja schon anzumoderieren versucht wurden.

Daher schließe ich heute ausnahmsweise auch nicht mit einem HaHoHe, sondern mit einem Danke an @therocket – Von Herzen alles Gute von der Brücke wünscht Käpt’n Opa.

P.S.: Da 6 von 7 Anmeldungen zum Sommerfest anonym erfolgten, wäre es sehr nett, wenn ihr kurz schreibt, wer am Samstag dabei ist.

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